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Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
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DIE SCHULDVERHAI/iNISSE UND DIE JUDEN.

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Zuin Schluss will ich noch einige specielle Geschichtenmittheilen, die das Treiben jener Leute zu illustriren ver-mögen.

Da ist ein wohlhabender Mann, aber alt und kränklich.Eine augenblickliche Verlegenheit nöthigt ihn, mit dem Judenanzufangen. Er fällt zwei von ihnen, die in Weiler einCompagniegeschäft treiben, in die Hände. Bei einem GlaseWein besprechen sie so lange seine Lage, bis die Judenseine Verhältnisse ganz genau kennen, der Weber aber injenen Zustand versetzt ist, in welchem man die meiste Lustzu kühnen Unternehmungen hat. Und da beschwatzen ihndenn die Schurken, dass er sein ganzes Besitzthum im Werthvon 40005000 fr. gegen eine Jahresrente von 70 fr.! ver-kauft. Nach ein paar Monaten stirbt der Mann, und dieSöhne sind nun gezwungen, Haus und Hof von den Judenzurückzukaufen, und dadurch erst recht in deren Händezu gerathen.

Ganz ähnliches geschah einem Weber in St. Martin,der, weil er etwas Geld braucht, sein ganzes Hab und Gut,bestehend aus zwei Häuschen, einem Feld von 40 ar, einemRebstück von 8 ar und einer Wiese von 4 ar den Judenseiner Ueberzeugung nach für ein Darlehn von 300 fr. ver-pfändet (versetzt), in Wirklichkeit aber laut notariellenAktes! es für diese Summe verkauft hat. Eines der Häusergelang es ihm mit Hülfe einer kleinen Erbschaft, die seineFrau gemacht hatte, wieder zu erkaufen, das andere wurde man sollte es kaum glauben von dem Juden für 1000Franken verkauft!

In Neukirch leben zwei Brüder und der Sohn des einenin einer ihrer Enge halber oben beschriebenen Hütte zu-sammen. Sie haben eine kleine Landwirthschaft gehabt undeine Kuh gehalten. Von dem Kaufpreis derselben sind sie180 fr. schuldig geblieben. Der Termin ist fällig; das Geldist nicht da. Der Jude stundet, aber unter der Bedingung,dass sie einen Ochsen auf Mehr - und Miuderwerth lehnen.Nach 14 Tagen stellt sich heraus, dass der Ochse krank undzum arbeiten untauglich ist. Sie verkaufen ihn wieder zurück,verlieren aber 150 fr. dabei, die sie natürlich auch schuldig

KAERGER, Ilaußweber im Weilerthal. 12