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KAPITEL IX.
bleiben. In dieser Weise gellt es weiter, und ein paar Jahrespäter sitzen sie, von Haus und Hof vertrieben, in jenergräulichen Miethsbude, die wir oben kennen gelernt haben.
In Breiteuau bei einem Weber fing es auch mit einerKuh an. Als er sie nicht bezahlen konnte, musste er einealte Baracke, die der Jude für 500 fr. erstanden, für 600 fr.annehmen. Auch diese Summe kann er an dem festgesetztenTermin nicht zahlen; sofort wird ihm wieder eine Kuh für180 fr. aufgedrungen, welche der Jude, nachdem sich ihregeringe Milchergiebigkeit herausgestellt hat, für 100 fr. wiederzurücknimmt. So geht es fort. Stets wenn der Jude irgendetwas schlechtes hat, das er sonst nicht los werden kann,
setzt er es bei ihm ab. So hat er denn allmählich den
Mann in eine Schuldenlast von 11—1300 fr. verstrickt.
Und nun noch eine Geschichte, die, wie die ersterzählte,sich in Gereuth abspielt; sie betrifft auch einen Weber.
Er hatte sich zu französischen Zeiten an Stelle einesmilitärpflichtigen Dorfgenossen ans Militär verkauft und einhübsches Stück Geld mit heimgebracht. Ins Dorf zurückge-kehrt erbte er vom Yater ein Häuschen, auf dem 800 fr.Judeuschulden stehen. Er zahlt mit seinem Militärgeld einenTheil ab, baut sich das halbverfallene Haus etwas auf,
heirathet, kauft sich einen Webstuhl, und schafft frisch drauflos. Auf einer Steigerung hat er Gelegenheit eine schöneKuh zu kaufen. Allein es fehlen ihm noch 100 fr. Da
schleicht sich der Jude, derselbe natürlich der den Yater schonbehandelt hat, an ihn heran, hilft ihm mit freundlichster Zu-vorkommenheit aus der Verlegenheit, drängt ihm aber nocheine Kuh für 300 fr. auf. Aber es ist die alte Geschichte,die Kuh ist unbrauchbar, er muss sie für 220 fr. wieder anden Juden verkaufen; die Uhr ist aufgezogen und der Judesorgt dafür, dass sie nicht zum Stillstand kommt. So istdenn allmählich eine Schuldensumme von 1100 fr. zusammen-gekommen. Aber der Mann ist Heissig, und kann die Zinsenzahlen. Das ärgert den Juden. Er kommt zu ihm, suchtihm eiuzureden, dass er noch dies und jenes für seine Wirth-schaft braucht, und erbietet sich bereitwilligst, ihm die nöthigeuGelder vorzuschiesscn. Doch unser Weber bleibt standhaft.