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Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
Entstehung
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179
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DIE SCHULD VERHÄLTNISSE UND DIE JUDEX. 179

Der Jude aber hält den Augenblick für gekommen, in demer den Strick zuziehen kann; er kündigt das Kapital. Nocheinmal gelingt es dem Mann das Unheil hinauszuschieben;ein guter Freund hat eine Erbschaft gemacht und leiht ihmdie 1100 fr. Seinen Juden ist er los, die Schulden sindgeblieben. Und wie lange wird er es treiben können, ohnedoch wieder seinem Yampyr in die Hände zu fallen. Jetztsitzt er in ungedielter Wohnstube, zwischen Wänden, vondenen der Putz in grossen Stücken herabfällt, die Lumpenfallen ihm vom Leibe, und auf der Erde krümmen sich undschreien nach Brot vergeblich! ein halb Dutzend Kinder.

Ich könnte sie alle bei Namen nennen, diese Ausbeuterdes Volkes, und wenn ich die wissenschaftliche Reserve,die ich in diesem Kapitel mit vollem Bewusstsein theilweiseaufgegeben habe, ganz ausser Acht lassen wollte, dann würdeich wenigstens den Namen eines Geschlechtes, oder sagenwir einer Dynastie nennen, die seit Jahrzehnten in einemOrte unumschränkt herrscht, und an anderen Orten sichmit Gleichgesinnten in die Herrschaft theilt. Als der Altestarb hat man Millionen von Franken in Kisten und Kastenverborgen gefunden, Millionen von Franken hat dieser Ge-schäftsmann dem Mark des armen, elenden Volkes im Weilerthalausgesogen. Der Schweiss und die Thränen Hunderter vonUnglücklichen klebt an dem Gold dieses einzigen Mannes.Und wie der Alte so treiben es seine Söhne. Nicht nurin das Vermögen, sondern auch in den Wirkungskreis desVaters sind sie mit voller Kraft als Erben eingetreteu.Glück zu dem Weilerthal, wenn das Geschlecht sich weiterso vermehrt!