122 DIE GEGEBENE TAKTIK WIU-IELMS III.
finden wir dem entsprechend als das Hauptmittel, mit demdamals die Grossen und Einflussreichen gewonnen wurden, dieindividuelle Bestechung mit unerhört bezahlten Aemtern, mitGütern und geradewegs mit Geldsummen, so erscheint es fastals selbstverständlich, dass, wo es sich um die Gewinnung vonKlassen handelte, die weitestgehende Berücksichtigung der einerjeden von ihnen eigenthümlichen Interessen stattfand. So aucherklären sich leicht alle Massnahmen, welche Wilhelm traf vonseiner Landung in Torbay bis zum Schlüsse der ersten Sessionseines ersten Parlaments, ja bis zum Ertde seiner ganzen Le-gierung. Vergegenwärtigt man sich diese Sachlage, so erscheinenauch seine wirthsehaftlichen Gesetze als mit Nothwendigkeit,durch die konkreten Verhältnisse gegeben.
Der gesellschaftliche, wirthschaftliche und politische ZustandEnglands um 1688 wurde oben eingehend dargelegt. Ihn, sowieauch die ganze Entwickelung der auswärtigen Getreidehandels-politik, wie sie oben erzählt wurde, muss man hei der Beur-theilung des Folgenden durchweg vor Augen haben.
Am 5/15. November 1688 landete Wilhelm in der Buchtvon Torbay in Devonshire . Der Hauptmast seines Schiffes hattedie englische Flagge getragen mit der Inschrift: « pro religioneprotestante pro libero parlamento» und darunter den stolzenoranischen Wahl sprach : «Je maintiendray». Alsbald strömtenihm, nachdem er sein Heer ausgeschifft hatte, die Engländerin Menge zu, und mit Leichtigkeit vollzog sich sein Marschdurch die westlichen Grafschaften nach London . Aber bereitsauf diesem Marsche hatte Wilhelm Gelegenheit einen Haupt-wunsch des Volkes kennen zu lernen, der bei seinen sofortigenMassnahmen zur Gewinnung der Volksgunst eine Rolle spielensollte. Wie Bischof Burnet 1 erzählt, trat bei seinem Vordringendurch die Grafschaften allenthalben das Begehren an ihn heran,die Herdsteuer abzuschaflen.
Diese Herdsteuer, 2 eine neue Auflage des alten fuagiumder normannischen Könige, war 1662 unter Karl II. wieder
1 Burnet, a. a. 0. IV p. 23.
2 Ueber die Herdsteuer (15. Car. II c. 13 und 16. Car. II c. 3)vergleiche Dalrymple, a. a. 0. II p. 11 u. 12; Macaulay, a. a. 0. IIp. H ff.