DIE AUFGABE WILHELMS III.
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deutsche Kaiser und diesmal sogar auch das Reich, welche Allesich gegen die Ländergier Ludwigs zu wehren hatten, fernerHolland , welches in den Interessen, in denen die Menschen amempfindlichsten sind, denen der Religion und des Geldbeutels,von Ludwig bedroht war. In beiden Beziehungen war dieStellung des englischen Volkes der der Holländer völlig gleich.Aber sein König Jakob II. war der Verbündete Ludwigs XIV .und sein Quasi-Vasall.
Indem Wilhelm III. die ihm angetragene englische Kroneannahm, brachte er aus Holland seine Frankreich feind-liche Politik mit , 1 und indem er, um Frankreich zu schädigen,dessen Handel zu ruiniren suchte, kam er nicht nur denWünschen der Holländer, sondern auch den nationalen undkommerziellen Aspirationen der Engländer entgegen. Allein mitder blossen Aussicht auf Kriegsruhm und der Befriedigung derHandelsinteressen der City hätte Wilhelm das noch ganz über-wiegend agrarische und gutrechnende Volk kaum dazu ver-mocht, seine, des illegitimen Königs, kriegerische Politik dauerndzu unterstützen. Hierzu hatte er noch ganz andere Aufgabenzu erfüllen. Sein Streben musste vor Allem dahin gehen, alleParteien im Innern mit seiner rechtlich anfechtbaren Thron-besteigung zu versöhnen und an sich zu fesseln, indem er demdurch fünfzigjährige Parteikämpfe zerrütteten Land in allenseinen Klassen zur ersehnten Freiheit und zum Wohlstand ver-halt. Nur so konnte er das englische Volk sowohl fähig alsauch willig machen, die enormen Lasten, deren Auflegung diegrossen Kriege gegen Frankreich nothwendig machten, zutragen. Nur dann konnte es zu einer glänzenden Machtentfal-tung nach Aussen gelangen. Erscheint uns, denen heute dieAkten jener Zeit offen liegen, das ganze England, wie es ausder Sittenlosigkeit. der Restauration hervorgegangen war, vonder Thronbesteigung Wilhelms bis lange nach Walpole, nurals eine Börse, auf der nahezu Alles und Jeder feil war , 2 und