V.
Rückblick und Ausblick.
Vergegenwärtigen wir uns nochmals zum Schluss das,was sich uns über die Entwickelung der Getreidehandelspolitikergeben hat.
Ein Gesichtspunkt macht sich in der Getreidehandelspolitikaller vorgeführten Jahrhunderte geltend: die Sicherung einerreichlichen Menge billigen Getreides. Aber dieser Gesichts-punkt beherrscht weder in allen in gleichem Masse die aus-schlaggebenden Factoren, noch auch sucht man ihm in denverschiedenen Zeiten in derselben Weise Geltung zu schaffen.
Im 12. und 13. Jahrhundert ist die Furcht vor Theuerungdie ausschliesslich massgebende Rücksicht. Der Ackerbau isttechnisch noch weit zurück. Die Verkehrsmittel sind ganz un-entwickelt. Jeder Ort ist auf das, was in seiner Umgebungwächst, für die Beschaffung seines Getreidebedarfs angewiesen.Daher vor Allem das Streben, durch Ausfuhrverbote einer jedenGegend ihre landwirthschaftlichen Produkte zu sichern. DasZollwesen ist bereits entwickelt. Allein so hoch auch die Zollesein mögen, sie sind gering im Vergleich zu den Frachtkostenund zu den Gewinnzuschlägen der Kautleute. Daher erklärtsich auch leicht, dass der Schwerpunkt der Zolleinnahmen inden Ausluhrzöllen liegt. Denn commerciell spielen die Zöllenoch keine Rolle. Sie sind weder die Ausfuhr noch die Einfuhrzu hemmen im Stande. Sie werden lediglich aus fiscalischenGesichtspunkten erhoben.