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Die französischen Kolonialbanken / von Otto Soltau
Entstehung
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2. DIE BANK" VON INDOCHINA.

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Die Enitedarlehen an die Kommunen sind erst 1888 auf-gekommen und in den Bankstatuten berücksichtigt. Bis dahinunterhielt die Bank fast keine Beziehungen mit den Eingeborenen.Man erkannte aber damals, daß es der Bank nur durch Ver-mittlung der Kegierung möglich sein würde, sich mit der Be-völkerung in engere Beziehungen zu setzen und ihr Mißtrauenzu überwinden.

Der Leihzins für die Erntedarlehen war anfangs sehr hoch(1215 %). "Wenn trotzdem die Nachfrage nach ihnen fortge-setzt stieg, so war damit der Beweis erbracht, daß diese Ein-richtung des Bealkredits in Indochina einem großen Bedürfnisentgegenkam. So verhielt es sich tatsächlich auch. Die Ein-geborenen in Indochina besaßen kaum Kapitalien. Der Wucherverzehrte den größten Teil ihrer Einkünfte. Da sie kaum sovielernteten, als ihr Lebensunterhalt erforderte, konnten sie auchgarnicht ans Sparen denken. In schlechten Jahren mußten siesogar zu einem Darlehen ihre Zuflucht nehmen. Etwas besserstand es mit denjenigen, die auf ihrem Boden Nebenprodukte(Gemüse, Seide, Baumwolle) bauen konnten; aber ihnen fehltees oft wieder an Kapital oder an Arbeitskräften. Ein Kredit-bedürfnis war somit in guten wie in schlechten Jahren unleug-bar vorhanden. Aber was konnte der Schuldner der Bank alsreale Sicherheit bieten: sein Haus ist eine wertlose Strohhütte,sein Mobiliar besteht aus einigen Brettern, 23 Stühlen ausBambus und einigen plumpen Gefäßen von der allernotwendig-sten Art. 1 ) Unter solchen Umständen bot nur die Ernte aufdem Felde ein wirkliches Beleihungsobjekt. Dazu kam, daß derHandel im Lande in der Hand von Chinesen lag, die den Ein-geborenen für ein Darlehen 34°/o Zinsen pro Monat, das sind3648 °/o p.a. abverlangten. Der Wucher ward verboten, aber not-gedrungen ein Zins von 36 °lo gesetzlich gestattet! Trotzdem bliebder Wucher weit verbreitet, weil die Eingeborenen nur wertlosePfandobjekte besaßen und weil Geld nur von wenig begütertenLeuten, meist Chinesen, ausgeliehen wurde, die nur dann vonihrem Kapita l leben konnten, wenn es ihnen hohen Zins einbrachte.

4 ) Renaud a. a. 0. S. 179.