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Die französischen Kolonialbanken / von Otto Soltau
Entstehung
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1. VERGLEICH MIT ANDEREN BANKEN.

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Beschäftigung genug für mehrere Spezialbanken. So mußte denneine Kolonialbank die Aufgaben verschiedener Banken gleichzeitigzu erfüllen suchen. Das ging nicht ohne Schwierigkeiten ab.Wir erwähnen hier nur das Faktum, daß mit Rücksicht auf dieagrarischen Kunden der Bank die Verfallzeit der Wechsel auf4 Monate erhöht werden mußte. Desgleichen erinnern wir wiederkurz an den Sparkassencharakter der Darlehen auf Gegenständevon Gold, Silber, Kupfer und auf Edelsteine. Am deutlichstenzeigten sich die Folgen der mangelnden Arbeitsteilung im ko-lonialen Bankgewerbe in dem Mißverhältnis, welches zwischenden Aktiv- und Passivgeschäften der Banken besteht. DieKolonialbanken verfügen abgesehen von ihrem Grundkapital nurüber täglich fällige Kapitalien, die sie, sei es durch die Noten-ausgabe, sei es in Form von Depositengeldern, erhalten haben.Die Bank leiht dagegen die so erhaltenen Kapitalien auf 4, 6,ja 8 Monate aus. Dieser Zustand ist bezeichnend für die Ko-lonialbanken, und zwar um so mehr, als bislang noch kein prak-tischer Versuch gemacht wurde, diese Unstimmigkeit, ja dieseGefahr für die Banken zu beseitigen. An theoretischen Vor-schlägen hat es ja nicht gefehlt.

§ 38.

DER SPEKULATIONSCHARAKTER DER KOLONIAL-BANKEN.

Das Mißverhältnis zwischen Aktiv- und Passivgeschäftender Kolonialbanken weist uns direkt auf ihren Spekulations-charakter hin.

1. Die Kolonialbanken hoffen oder spekulieren darauf, daßnicht alle ihre Gläubiger, sondern vielleicht nur ein Drittel vonihnen ihre fälligen Forderungen sofort zurückbezahlt verlangen;ja noch mehr, sie erwarten, daß im Durchschnitt die Einlagenmindestens 4 Monate in der Hand der Bank belassen und nichteher zurückgezogen werden. Geschähe es doch, so wäre derRuin der Bank da.