28 I. DIE ENTWICKELUNG DER SPANISCHEN STAATL. ZAHLUNGSMITTEL.
Spanien , im mehrhundertjährigen Besitz der reichsten Edel-metallminen der Welt, hatte gerade wegen der leichten Geld-beschaffung eine stets passive Handelsbilanz. Man hatte imLande einen großen Luxus entfaltet und konsumierte gewaltigausländische Produkte; andererseits hatte man die eigene Industrieund den Ackerbau vollständig vernachlässigt. Um das Defizitder Handelsbilanz zu begleichen, führte man vornehmlich Gold-geld aus wegen seines geringeren Volumens, der kleineren Trans-portkosten und namentlich wegen des leichteren Schmuggels.
Denn die damals vollständig von merkantilistischen Ideenbeherrschte Regierung hatte durch häufige Exportverbote jeg-liche Geldausfuhr verboten. Daß diese Ausfuhrverbote aberniemals beachtet wurden, beweist gerade ihre häufige Wieder-holung( siehe Geldexportverbote von 1767, 1780, 1784, 1786Novísima Recopilacion Buch IX, Titel 13). Der Schmuggelhandelin Geld war sehr verbreitet, und die für Kapitalverbrechengeltenden gegen Geldschmuggel angedrohten Strafen schrecktengewerbsmäßige Schmuggler niemals von der Geldausfuhr ab.
Das Resultat der stärkeren Zufuhr von Silbergeld unddes größeren Abflusses von Goldgeld mußte sein, daß Silberbisher immer mehr im Lande überwog und zu Zahlungen anden Staat verwendet wurde.
Infolgedessen erließ die Regierung, um Gold im Lande zuhalten und um den Goldexport zu erschweren, im Jahre 1779ein Gesetz, wodurch die Goldmünzen um 62/3 0/0 höher begültigtwurden, ¹) während Silbermünzen ihre Geltung behielten.
1) Die Golddoblonen à 8 Escudos oder Onzen, welche seit 1737301 Realen vn 6 Maravedis galten, wurden durch Pragmatica vom 15. 7.1779 auf 320 Realen vn augmentiert, falls sie neueren Gepräges seit1772 waren; die Teilstücke proportionaler Geltung wurden im gleichenVerhältnis höher begültigt. Die vor 1772 geprägten Onzen von höheremFeingehalt wurden auf 321 Realen vn 6 Maravedis im Zahlwert erhöht,so daß nach 1779 Goldstücke neuen und alten Gepräges mit folgenderverschiedener Geltung kursierten:
altes Gepräge
neues Gepräge
Doblon à 8 Escudos: 321 Realen vn 6 Mrs. 320 Realen vn
وو
à 4
دو
160
وو
20
"
وو
160
وو
"