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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
Entstehung
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§ 2. DER ZUSTAND DER METALLVALUTA ZU AUSGANG DES 18. JAHRH. 27

juez am 5. Mai 1772, es solle nur so viel Kupfergeld hergestellt.werden, als der kleine Handel benötige, da man in Zukunftdie schweren Nachteile vermeiden wolle, welche zur Zeit dieÜberfülle von Kupfergeld bringe. Der kleine Handel war aberein weiter Begriff, und in finanziellen Nöten griff der Staatin der Folgezeit stets auf die gute Einnahmequelle der Kupfer-geldprägung zurück. Sicherte er sich doch selbst vor einemWährungsumschlag zur Kupfervaluta und vor hierdurch be-dingten Verlusten durch Gewaltmaßregeln der Annahmebe-schränkung.

Kommen wir nun zu der Währung Spaniens im engerenSinne, zu demjenigen Gelde, welches der Staat für seine Zahlungenzu allerletzt bereit hielt und im Streitfalle als endgültig be-zeichnete( valutarisches Geld), so können wir dies nur aus denjeweiligen Zahlungen der Staatskassen erkennen. Die Pragmatikenvon 1772-1786 enthielten darüber nichts, sie gaben nur an,daẞ Gold und Silber zu definitiven Geldarten unbegrenzt aus-geprägt werden könnten, und zeigten ein bimetallistisches Geld-system, wie es in Frankreich bestand .

Welche Geldart der Staat valutarisch und welche er imGegensatz dazu akzessorisch behandeln wollte, das blieb voll-ständig dem freien Belieben der Regierung anheimgestellt.

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Eine feste Währungspolitik befolgte nun der spanischeStaat nicht, sondern er ließ sich- wenigstens bis zum Jahre1848 vollständig bei der Wahl der Valuta durch den Zustandseiner Kassen bestimmen. Der Staat zahlte endgültig mit dem-jenigen Gelde, welches ihm selbst in größerer Menge zufloẞ,wobei der finanzielle Vorteil ausschlaggebend war.

Bis zum Jahre 1786 strömte nun den staatlichen Kassen.ganz vorwiegend Silbergeld zu und wurde deshalb auch vomStaate aufgedrängt; denn einmal bestanden die Einnahmen desspanischen Schatzamtes zum großen Teil aus den Erträgnissen.der Minen Amerikas und diese wiederum meist aus Silbergeld.Zu einem stärkeren Zufluß von Silber- kam noch ein bedeutendgrößerer Abfluß von Goldgeld nach dem Auslande, namentlichnach England und Frankreich.