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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
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§ 14. DIE REGULIERUNGEN DES PESETAKURSES DURCH DEN STAAT. 265

kaufen, gab schließlich angesichts des sich stets wieder hebendenAgios jede Beeinflussung der ausländischen Kurse auf. Dieewige Komödie wurde fortgesetzt, eine aktive Währungspolitiknicht betrieben und die Reformprojekte, durch welche man dieGoldwährung einführen wollte, kamen in Vergessenheit. DasSchatzamt sah sich in seinen Versuchen, den Frankenkurs zudrücken, überwältigt, weil der Kurs nicht fiel, und der Kursfiel nicht, weil weder Schatzamt noch Zentralbank tatkräftigeSchritte dazu taten.

Nach jahrelangen Versuchen, die Währung zu bessern,hatte das Agio im Jahre 1904 eine durchschnittliche Höhe von37,75%, der intervalutarische Kurs stand also ungünstiger alsvor den Einleitungen aller Währungsreformen. Man erklärteden Miẞerfolg daraus, daß die Bank ihre Notenemission nichteingeschränkt hatte, daß Silbergeld nicht dechartalisiert wordenwar und daß die Banknote noch immer zum größten Teil durchKolonialanweisungen gedeckt war. 1)

Pantopolisch konnte das hohe Frankenagio aber nur er-klärt werdenschlechter Getreideernte und geringemFrüchteexport, aus starker Einfuhr von Maschinen und Fabrikatenund aus dem Fehlen einer kursregulierenden Behörde. Es fehltedie Intervention des Staates, welcher die Spekulation ausschalteteund die Mißbräuche im Geldhandel eindämmte. Denn wie auch.objektiv urteilende finanzielle Kreise damals versicherten, wurdeder Frankenkurs durch spekulierende Banken und Exporteureum 15-20% zu hoch gehalten.

§ 14.

DIE REGULIERUNGEN DES INTERVALUTARISCHENKURSES DURCH DEN STAAT.

Seit dem zweiten Semester des Jahres 1905 begannen.sich die wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse Spaniens

1) Es befanden sich im Juli 1904 noch 700 Millionen PesetasPagarés de Ultramar in der Bank( Kolonialanweisungen), die gleich denHandelswechseln als Notendeckung galten.