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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
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II. DIE WÄHRUNGSÄNDERUNGEN DER JAHRE 1848-1868.

Ganz ohne Absicht, ja nur aus einer Zwangslage heraus,hatte die spanische Regierung den vorteilhaften Währungsanschlußan Frankreich wieder erreicht. Denn auch Frankreich war zuBeginn der 60er Jahre obstruktionell zur Goldwährung gelangt.Angesichts der Bargeldzirkulation, die sich fast ganz ausGold zusammensetzte, wäre es für Spanien jetzt einfach ge-wesen, zur reinen Goldwährung überzugehen.

In Regierungskreisen war man jedoch durchaus bime-tallistisch gesinnt, man hielt es für natürlich, daß der Staatbei freier Ausprägbarkeit von Gold und Silber stets dasjenigeMetall in Zukunft aufdränge, das auf dem Metallmarkte billigersei. Das Verschwinden des teuern Metalles, so sprach sich dieRegierung aus, würde dem billigern die absolute Vorherrschaftgewähren und als Maß und Regulator aller Dinge dienen. Insolchen Auffassungen der Währungsfragen ließ man den Dingenfreien Lauf.

§ 9.

DIE REGELLOSIGKEIT IM MÜNZ- UND BANKNOTEN- WESEN IN DER PERIODE VON 1864-1868.

Wir haben gesehen, daß alle Absichten der spanischenRegierung, Silbergeld im Lande zu halten, fehlgeschlagen waren.Im innern Verkehr machten sich dadurch große Schwierigkeitenbemerkbar, denn auch die kleinen Silbermünzen zu 4, 2 und1 Realen, die im Verkehr des täglichen Lebens unentbehrlichwaren, schwanden trotz höherer Transportkosten aus der Zir-kulation. 1) Jetzt zeigte sich die Unzweckmäßigkeit kleiner barerSilbermünzen, die man durch das Münzgesetz vom Jahre 1848an die Stelle der bis dahin bestehenden notalen, provinziellenSilbermünzen gesetzt hatte.

Die kleinen Silberstücke waren zum großen Teil neuer

1) Wie es auch im Bericht der Währungskommission des Jahres 1864( Gazeta de Madrid vom 18. 5. 1864) lautete, hatte man die im Münzfußund Feingehalt den großen Stücken streng proportionalen kleinen Silber-linge an sich gerissen und exportiert.