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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
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264 IV. DIE INTERVALUTARISCHEN BEZIEHUNGEN DER PESETA SEIT 1883.

gierung, hänge von der schlechten Situation des Landes ab,von der zu geringen Produktion und von der großen Verschuldungans Ausland, und die durch eine fehlerhafte Ökonomie und einefrühere beklagenswerte Finanzgebahrung hervorgerufenen Miß-stände könnten nicht plötzlich durch einen Akt der Staatsgewaltoder in kurzer Zeit gelöst werden. Es sei das Agio nicht alleindurch Geldpolitik zu beseitigen, denn wenn auch die Bank dieBarzahlungen aufnähme, so würde das Goldgeld nur aus demLande ziehen, um den Passivsaldo der Zahlungsbilanz zu be-gleichen.

Man erkannte wohl jetzt, daß die Barverfassung sich nichtaufrecht erhalten lasse, da es die Gesamtheit der wirtschaftlichenVerhältnisse noch nicht gestattete, und übereilte Aufnahme derBarzahlungen wurde als großer Fehler betrachtet.

Wenn man nun auch in den Ursachen des Agios etwasklarer sah, so war doch wohl eine vollständige Aufgabe aktiverWährungspolitik damit nicht gerechtfertigt. Die Regierung zeigtesich jetzt vollkommen indifferent der Valuta gegenüber. Wohlwar eine Einführung der Barzahlungen damals weder möglichnoch notwendig, was aber dem ganzen Lande durchaus Nottat, das war eine Stabilisierung der Kurse. Und diese ließ sichohne bedeutende Opfer erreichen und mußte, mit Kunst undGeschicklichkeit durchgeführt, die besten Resultate zeitigen.

Mit kleinen Mitteln suchte zwar der Finanzminister denWechselkurs zu beeinflussen. Das Schatzamt versteigerte ausseinen Überschüssen aus Zöllen Goldgeld à 25 und 20 Pesetaszu Kursen, die unter den Tageskursen für Franken lagen.¹)Diese tropfenweise, nicht dauernde Abgabe von Gold hatte abernur die Wirkung, daß die Kurse am Tage der Subhastation fielen,um sich am nächsten Tage wieder zu erheben. Die Agioteurekauften dies Gold auf, um es mit Vorteil wieder zu verkaufen.

Der Staat, welcher aber nur 10-12 Millionen Gold- Pesetaszur ständigen Verfügung hatte, um sie auf dem Markte zu ver-

1) Der Finanzminister Osma setzte einen Minimalpreis für die Gold-verkäufe fest, damit der Staat daran nicht verliere. Der Staat war alsodamals nicht bereit, Opfer für die Kursregulierung zu bringen.