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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
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IV. DIE INTERVALUTARISCHEN BEZIEHUNGEN DER PETESA SEIT 1883.

bedeutend zu bessern. Die Industrialisierung des Landes hatteFortschritte gemacht, die Nachfrage nach Maschinen, namentlichfür die Zuckerindustrie, im Auslande und der Dampfschiffankauf,wodurch in den Jahren vorher viele Millionen ins Ausland ge-zogen waren, ließen sehr nach.

Ferner setzte jetzt eine dauernde günstige Kapitalien-strömung aus dem Auslande nach Spanien ein. Aus dem spani-schen Amerika, besonders aus Cuba, kamen in einem Jahre.nach den Schätzungen spanischer Finanzleute 400-500 Millionen.Franken zurück, ¹) die bisher dort von Spaniern in Staatswertenund privaten Unternehmungen angelegt waren. Eine einzigebedeutende Bank in Madrid erhielt auf diese Weise 100 MillionenFranken im Jahre 1905.

Dann brachten die aus Frankreich vertriebenen Orden,welche nach Spanien übersiedelten , viele französische Zahlungs-mittel ins Land. Hierzu kam, daß sich das Ausland wegen derungünstigen politischen Verhältnisse in Rußland russischer Werteentledigte und die frei werdenden Kapitalien vielfach in indu-striellen Unternehmungen Spaniens anlegte . Namentlich derspanischen Erzminen - Industrie wurden französische und englischeKapitalien zugeführt, da sich die Preise für Erze sehr gehobenhatten.

So traten große Änderungen im Vorrat und Bedarf fran-zösischer Devisen in Spanien ein , da sich die zwischen Spanienund Frankreich zu leistenden Zahlungen dauernd änderten, unddas Agio fiel permanent. 2)

1) Siehe u. a. Villar Grangel, El problema de los cambios, Madrid1906 , S. 36 und Francisco Gil y Pablos, Estudios sobre la moneda y loscambios, Madrid 1906 , S. 346.

2) Grangel führt unter den Gründen, welche auf eine höhere Be-wertung der Peseta im Auslande und auf das große Angebot der Franken-wechsel in Spanien im Jahre 1906 Einfluß hatten, auch die psychologischenMomente an: der Eingriff Spaniens in die europäische Politik, das finanzielleProtektorat Englands, die Konferenz zu Algeciras, den spanischen Einflußauf das marokkanische Bankwesen.

Die psychologischen Faktoren und die Wahrnehmung einer ständigsteigenden Tendenz der Peseta sollen Anfang 1906 auch zu einer doppelt