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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
Entstehung
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III. ENTWICKELUNG DER WÄHRUNG IN DER ZEIT VON 1868-1883.Staates stützen sollte. Man glaubte nur durch Konzentrierungaller in den Provinzen zerstreuten Kapitalien in einer National-bank die Mittel zur Bestreitung der Staatsausgaben und zurBeendigung des Bürgerkrieges gewinnen zu können. ¹)

Die Bank von Spanien wurde nunmehr mit einem Kapitalvon 100 Millionen Pesetas reorganisiert und erhielt das Privilegder Notenausgabe gleich dem fünffachen Betrage des Aktien-kapitals. Die Notenemission wurde also fest begrenzt auf 500Millionen Pesetas . Im Jahre 1882 wurde durch Generalver-sammlungsbeschluß, genehmigt durch königliche Verordnung vom23. Dezember 1882, das Aktienkapital auf 150 Millionen unddie Notengrenze auf 750 Millionen Pesetas gesteigert. Die Pri-vilegien der Bank sollten nach dem Dekret vom 19. März 1874.30 Jahre dauern und wurden später durch Bankgesetz vom14. Juli 1891 bis zum 31. Dezember 1921 verlängert.

Die juristisch bedeutendste Reform des Banknotenwesensführte das Dekret vom 19. März 1874 insofern ein, als denBanknoten gesetzlicher Kassenkurs eingeräumt wurde. Artikel 9des Dekrets verfügte: Die Noten der Bank von Spanien werden.an Zahlungsstatt angenommen bei Zahlung von Steuern, National-gütern, Zollgebühren und allen übrigen festgelegten und inZukunft festzulegenden Einnahmen des Staates." Nicht nurzu Zahlungen an die Bank, sondern bei sämtlichen Zahlungen

1) Exposition del decreto de 19. 3. 1874 in den Leyes organicasdel Banco de España, Madrid 1907. S. 17. Über den damaligen heillosenZustand im spanischen Kreditwesen und über die Entstehung des Bank-gesetzes von 1874 äußerte sich Echegaray im Jahre 1902:

,, In der Not des Bürgerkrieges mußte der Staat an vielen Stellenfinanzielle Teiloperationen unternehmen; um aus der augenblicklichen.Not herauszukommen, borgte der Staat den einen Tag 1 Million Pesetas,den andern 1/2 Million. Man mußte, um das Heer mit Proviant zuversehen, Geld zu hohen Zinsen, zu 10, 12 und 15% aufnehmen. Dazugaben die Gläubiger einen Teil in Metallgeld, einen Teil in Kupons vonStaatspapieren, die den Rentenempfängern nicht gezahlt wurden und aufder Börse zu niedrigen Preisen zu kaufen waren, die aber vom Staatzum vollen Wert angenommen wurden. Der Mangel an Geld machte dieKriegsbeendigung durchaus nötig und nur durch die Unterstützungen derstarken Kapitalsmacht einer Zentralbank konnte dies geschehen."