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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
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§ 12. DAS SINKEN DES PESETAKURSES.

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den psychologischen Momenten, außer den Gefühlen und Stim-mungen, die einen nahen Staatsbankerott Spaniens vermuteten,die großen Silberankäufe Spaniens bei.

Da es dem Staate nicht mehr möglich war, Silbergeld derBank zu entziehen, ohne die gesetzmäßige Deckung zu ge-fährden, deckte er seit dem März 1898 die Kosten der Kolonial-kriege und den noch viel stärkeren Bedarf für den amerikanischenKrieg durch Silberankauf in London , wodurch infolge der Arbi-tragegeschäfte auch der Frankenkurs beeinflußt wurde. DieSteigerungen der Londoner Silberpreise von 25 Pence pro UnzeStandardsilber zu Anfang März 1898 auf 285/16 Pence in derzweiten Hälfte des September waren fast ausschließlich denspanischen Käufen zuzuschreiben. Im Jahre 1898 ließ derspanische Staat die hohe Summe von 199886 890 Pesetas anSilbergeld prägen, wofür der Regierung die Goldmonometallistendie heftigsten Vorwürfe machten.

Zwar verschaffte sich der Staat hierbei große fiskalische Ge-winne, doch war es die Not, welche ihn zur Geldschaffung zwang.

Einen Teil der neu geprägten Silberstücke stellte der Staatder Bank von Spanien zur Verfügung, doch bei der allgemeinenPanik, welche nach dem Ausbruch des Krieges mit Amerikaentstanden war, wurden der Bank die Silberbestände gegenNoteneinlösung entzogen, wiewohl Silbergeld platisch gar nichtzu verwenden war. Vom 16. April bis 7. Mai 1898 flossen110 Millionen Pesetas aus der Bank, und am 21. Mai war diegesetzliche Bargelddeckung nicht mehr vorhanden. Bei einerNotenemission von 1309 Millionen Pesetas hatten sich die Metall-bestände auf 245 Millionen Pesetas in Gold und auf 115 MillionenPesetas in Silber reduziert.

Mit dem steigenden Agio war die Beunruhigung beimPublikum, das vollkommen metallistisch die Silberpeseta beur-teilte, die ja noch einigen Metallwert hatte, gestiegen. Dieständige Einlösung von Noten ließ gleichfalls bei der Regierungdie Furcht entstehen, daß Mangel an Silbergeld die Bank inden Zustand der Zahlungsunfähigkeit versetzen würde und daßman so zum Zwangskurs der Note gelangen könnte.