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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
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IV. DIE INTERVALUTARISCHEN BEZIEHUNGEN DER PESETA SEIT 1883.

Der Bank wurde deshalb zugestanden, die Silberbarren,welche sie bisher als Notendeckung benutzt hatte, zur Prägungder Münze einzuliefern.

Ferner entschloß sich der Staat am 1. Juni 1898, alsdas Frankenagio noch immer 83% betrug, ein Dekret¹) zu er-lassen, wonach er den Export von Silber in Form von Münzenund Barren verbot. Eine skrupellose Spekulation," so motivierteman das Dekret, ,, habe Platz gegriffen, die Silbergeld als Wareverkauft oder dorthin transportiert habe, wo es noch seinenNominalwert besitze."

Tatsächlich war aber eine platische Verwendung des spa-nischen Silbergeldes stets ausgeschlossen, was wir kurz dar-legen wollen, um zu zeigen, daß die Einlösung der Banknotein Silbergeld niemals einen währungspolitischen Zweck hatteund daß die umfangreichen Notenwechselungen zum großen Teilübertrieben metallistischen Befürchtungen entsprachen.

Nach dem gesetzlichen Ausmünzungsverhältnis war Silber-geld so bewertet, daß ein Gewichtsteil in Goldmünzen gleich.1512 Gewichtsteilen in Silbermünzen ausmachte, was einemGoldpreis von 60,838 Pence für die Unze Standardsilber gleich-kam. Bei dem damaligen Preise von 25,875 Pence pro Unze.Standardsilber hatte spanisches Silbergeld 57,5% an Metallwertverloren oder hatte nur 42,5% seines proklamierten Wertes( an Gold gemessen).

Die Platte der Silberpeseta, als Ware betrachtet, erzieltefolglich bei dem Preis von 94,45 Franken pro kg fein Silberin Paris, welcher dem Londoner Silberpreis entsprach, nur0,425 Frank oder der Frank hatte bei einer platischen Beur-teilung der Peseta 2,35 Pesetas Wert.

Also wäre erst bei einem Kursstande von 100 Franken= 235 Pesetas oder einem Agio des Franken in Madrid von135% eine platische Verwendung des Silbers in Frage gekommen,während der Frankenkurs nur bis 115% Agio erhalten hatte.Da aber die Peseta gegenüber dem Franken infolge pantopolischer

1) Col. legislativa, Jahrgang 1898.