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244 IV. DIE INTERVALUTARISCHEN BEZIEHUNGEN DER PESETA SEIT 1883.
Münzgewinn verzichten, den er bisher in finanzieller Not alsFiskus gemacht hatte. Aus der Herstellung von ca. 1300 MillionenPesetas in Silbergeld hatte der Staat seit dem Jahre 1868 17112Millionen Pesetas gewonnen; nach einem etwaigen Übergangzur Goldwährung mußten diese Gewinne bei Abstoßung derSilbermünzen wieder verloren werden oder eben von vornherein.Stauungen von Silbergeld eintreten.
Das war wohl der eigentlich tiefere Sinn der vollständigenSilbersperrung. Nicht eine Besserung der Valutakurse konntehierdurch eintreten, da der intervalutarische Kurs vom Silber-preis und der größeren oder geringeren Menge umlaufenderSilbermünzen vollständig unabhängig war. Wohl aber konntefür eine spätere Zukunft größeren Verlusten beim Verkauf vonSilbergeld und einem Währungsumschlag vorgebeugt werden.¹)
Unbegreiflich muß jedoch die Schwäche der spanischenRegierung erscheinen, die selbst auf den Münzgewinn aus Silber-prägungen verzichtete, jedoch nicht gegen die ihr schon damalsbekannten heimlichen Silberprägungen energisch vorging.2) InSevilla zuerst waren Unmengen von privater Seite geprägte Durosaufgetaucht, die von den staatlich geprägten Münzen kaum zuunterscheiden waren und die Jahre lang ungehindert kursierten.Diese ,, Duros Sevillanos" wurden erst im Jahre 1908 gegenlegitime Münzen umgetauscht, da bei ihrer bisherigen Duldungder Staat ihre Annahme nach dem Plattenwert wegen eines all-gemeinen Aufstandes 3) dagegen nicht durchsetzen konnte. Wenn
1) Die Absichten gingen damals dahin, später die Silbermünzenteilweise zu dechartalisieren.
2) Schon 1892 waren in der Academia real die heimlichen Silber-prägungen erörtert worden. Von einer Aufdeckung der Falschmünzer-werkstätten oder gar einer Bestrafung der wirklich Schuldigen hörte manbis zum Jahre 1908 nichts. cf. auch Barthe, El problema monetario enEspaña, 1908, S. 48.
3) Über die Panik, welche infolge der Ankündigung des Finanz-ministers Sanchez Bustillo, daß Sevillanos nur nach dem Metallwert an-genommen werden sollten, im Juli 1908 ausbrach, vgl. auch
Frankf. Zeitung vom 21. Juli 1908 Nr. 201
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22. Juli 1908 Nr. 202.