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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
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IV. DIE INTERVALUTARISCHEN BEZIEHUNGEN DER PESETA SEIT 1883.

Die Devisenpolitik, welche die Regierung betrieb, erleich-terte vielen nationalen Betrieben das Leben und förderte Handelund Verkehr, da die bisherige Unsicherheit über die Schwankungendes intervalutarischen Kurses beseitigt war und neue Auslands-geschäfte angeknüpft wurden. Das Aufblühen des Landes, erhöhteSteuerkraft der Bewohner und vermehrte Zolleinnahmen erleich-terten andererseits dem Staate die Exodromie durch Devisen-politik. Namentlich die Eisenbahngesellschaften, welche wegender bisherigen hohen Agioverluste nur kleine Nettoeinnahmenund eine geringe Steuerkraft hatten, brachten jetzt bei den ge-besserten Währungsverhältnissen dem Staate hohe Steuern, auchkonnten sie die lang hinausgeschobenen Verbesserungen undErweiterungen der Eisenbahnen vornehmen und das Land weitererschließen helfen.

Dann aber hatte die Devisenpolitik des Staates den Vor-teil, daß die Bank von Spanien lange Jahre dem Lande dieVorzüge eines mäßigen und gleichbleibenden Diskont- und Lom-bardzinssatzes zukommen lassen konnte. Die Bank von Spanien konnte ihren Diskont- und Lombardzinsfuß vom September 1903bis heute( September 1911) ständig auf 41/2% halten.

Diskonterhöhungen, welche bei dem sich erst allmählichentwickelnden ¹) Diskontgeschäft der Bank wie den Kunden derBank höchst unerwünscht waren, wurden unnötig gemacht, dennsobald sich ein zu starker Abstrom spanischen Geldes ins Aus-land zeigte, trat das Schatzamt mit seinen Devisenverkäufenhervor und brachte die Wechselkurse wieder auf den von ihmgewünschten Stand, wodurch fremde Zahlungsmittel herbei-gezogen und ein Abfluß spanischen Geldes verhindert wurde.

Das Agio konnte sich daher auch in den Jahren 1906bis 1909 auf einem gewissen Beharrungsstande behaupten, wasder Entwickelung des Landes durchaus förderlich war.

¹) Nach Angaben der Zeitschrift ,, El Economista" vom Jahre 1902war die Gewohnheit des Diskontierens in Spanien deshalb so wenig ver-breitet, weil man dies als Symptom einer wenig guten wirtschaftlichenLage ansah. Bei der Bank von Spanien sind daher auch die Lombard-geschäfte, Kredite unter Garantie und Personalkredite von größererBedeutung.