2. AEUSSERUNGEN DES FELDGEMEINSCHAFTLICHEN PRINCIPS. 17
§ 4. Wodurch wird nun die Feldgemeinschaft bewogeu,eins dieser Systeme anzunehmen? Welchen Zwecken entsprichtein jedes von ihnen? W. Orlow, dem Vater der Statistik derrussischen Landschaften, gebührt die Ehre, die erste auf genauenBeobachtungen beruhende Antwort auf diese Frage gegebenzu haben. Er hat nachgewiesen, dass die Vertheilung nach derLeistungsfähigkeit in denjenigen Gemeinschaften geübt wird,wo die auf dem Grundbesitz lastenden Abgaben den Ertrag desBodens übersteigen. Dagegen ist da, wo die Abgaben denBodenertrag nicht erreichen, die Vertheilung nach den Be-dürfnissen üblich. Die Gemeinschaften, endlich, wo die Abgabendem Bodenerträge ungefähr gleich stehen, schwanken zwischenden beiden Systemen; häufig wird da auch die Vertheilungnach der Uebereinkunft angewandt oder ein ziemlich kom-plicirtes System, dem die Vertheilung nach der Zahl der männ-lichen Mitglieder zu Grunde liegt, die aber nicht streng durch-geführt, sondern durch die Berücksichtigung der Leistungs-fähigkeit modificirt wird: jede Wirthschaft darf so viele An-theile fordern, wie sie männliche Mitglieder zählt; wenn sieaber nicht im Stande ist, die Abgaben zu tragen, so darf sieauf ein entsprechendes Quantum Landes verzichten; das Land,das ihr abgenommen wird, wird den kräftigeren Wirthscliaftenzugelegt. Diesen Zusammenhang des Vertheilungssystems mitder Höhe der Abgaben hat Orlow an der Hand der Beobachtungenim Moskauer Gouvernement aufgedeckt. Der Zusammenhanghat sich dann, bei der Erweiterung des Beobachtungsfeldesauf das ganze europäische Russland und auf Sibirien , glänzendbewährt.
Der Grund dieses Zusammenhanges ist nicht schwer ein-zusehen. Der russische Mir pflegt seine Finanzen auf dieGrundsteuer zubasiren; alle Staats- und Gemeindesteuern werdenunter die einzelnen Wirtbe nach Maassgabe ihrer Berechtigungenan der Gemarkung repartirt. Uebersteigen nun die Abgabenden Ertrag des Bodens, oder auch nur den üblichen Pachtzins,so hat jeder Genosse Interesse daran, möglichst wenig Landvon der Gemeinschaft zu bekommen: er kann ja das, was er
Tschuprow, Feldgemeinschaft. 2