2. AEUSSERUNGEN DES FELDGEMEINSCHAFTLICHEN PRINCIPS.
23
da, wo die Abgaben den Ertrag nicht erreichen, freie Hand;hier ist jedes System der Yertheilung durchführbar, keines be-droht die Existenz der Gemeinschaft. Was für ein Systemgewählt wird, hängt davon ab, welches den Interessen einerBevölkerungsklasse entspricht, die gross genug für die Majoritäts-bildung ist. Eine der Modalitäten der Yertheilung nach der Leist-ungsfähigkeit wird es in keinem Falle sein, da keine Interessendaran hängen. Fassen wir also die verschiedenen Modalitätender Vertheilung nach den Bedürfnissen ins Auge; betrachtenwir, welche Interessen von jeder derselben begünstigt werden.
Was die Vertheilung nach den Essern anbelangt, so istes klar, welchen Interessen sie genehm ist. Selbstverständlichsind die grösseren Familien zu diesem System geneigt. Natür-lich sind auch die Frauen dafür. Die Yertheilung nach denEssern kommt auch thatsächlich da zur Anwendung, wo dieFrauen einen grösseren Einfluss auf die Gemeiudeangelegen-heiten gewinnen. Interessante Beobachtungen sind darüber imGouv. Wladimir angestellt Avorden. In vier Gemeinschaften,avo das System angeAvendet wird, haben es offenkundig dieFrauen erfochten; die Männer gestehen da, dass sie von denWeibern im Kampfe um das Land besiegt Avorden sind. DerBeobachter (S. Charisomenoff) giebt auch eine interessante Er-klärung für diesen Sieg der Frauenpartei. Er setzt denselbenmit der Verbreitung des Leinbaus in der Gegend in Zusammen-hang. Vom Ertrage der mit Lein bestellten Aecker Avird einTheil verkauft, aus dem übrigen hat die Hausfrau den Mannund die Kinder zu bekleiden; der Rest steht ihr zur Verfügung,sie darf ihn verarbeiten und verkaufen, und der Erlös Avirdbereits nicht als Familien-, sondern als ihr besonderes Eigen-thum angesehen. (Man vergesse dabei nicht, dass es sich umdie grosse patriarchalische Familie handelt, innerhalb Avelcherder Mann mit Frau und Kindern eine gewisse Einheit für sichbildet.) Haben nun diese Reste einen grösseren Betrag gebildet,so venvendet sie die Frau häufig auf die Pacht eines besonderenAckers, den sie ganz selbstständig bewirthschaftet. Diesen Ackerbestellt sie wiederum mit Lein, und der Ertrag steht ihr dann