Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Die Konkurrenz und die Arbeiterklasse. Die wirtschaftlicheil Monopole.

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und gewerblichen Thätigkeit haben sicher nie an niedrigen Löhnen eine besondere Freudegehabt; der Unternehmer im Durchschnitt zahlt gerne so gute Löhne, wie er zahlen kann.Aber es war eben die Frage, ob und wie lange erst die nationale, dann die internationaleKonkurrenz es ihm erlaubte. Die ganze Wucht derselben, die immer wiederholten Unter-bietungen ließen den meisten keine andere Wahl als die des Lohndruckes, wenn sie nocheinen Gewinn haben wollten; nur da, wo der Erwerb von Patenten oder Monopolengelang, wo durch besondere kostensparende Fortschritte, durch größere Betriebe undErsparnis an Generalkosten, durch bessere Technik und neue Maschinen ein andererAusweg sich öffnete, konnten die Unternehmer die alten oder gar höhere Löhne zahlen,die wachsende Konkurrenz aushalten. Die Kehrseite zur Herabdrückung der Massendurch die Konkurrenz ist die Emporhebung einzelner durch wirtschaftliche Monopole.

Die ganze Lehre vom Segen der freien Konkurrenz ist bei der Naturlehre derVolkswirtschaft im 18. Jahrhundert enstanden unter der Fiktion, daß alle Menschenvon Natur gleich seien, und unter der Beobachtung der damaligen überwiegend kleinenBetriebe. Das erstere war eine Täuschung, das zweite eine Wahrheit nur für diedamalige Epoche. Zu allen Zeiten gab es verschiedene Menschen, und zu allen Zeitenstiegen die fähigeren empor, bildeten aristokratische Kreise, wurden die Begründer derreicheren Familien. Daher war der Wettbewerb zwischen den Individuen nie ein ganzgleicher. Aber immerhin, die kaufmännischen, landwirtschaftlichen und gewerblichen Be-triebe, wie sie 17501850 bestanden, waren der Mehrzahl nach alle klein, ihr Kapitalmäßig; die Kämpfe auf dem Markte stellten sich immer noch dar als ein Ringen vonDutzenden und Hunderten ähnlicher Kleinbetriebe mit einander, wenn auch die ungleicheGrundbesitzvcrteilung, die großen Compagnien, viele Privilegien schon eine Minderheitin bevorzugte Lage gebracht hatte. Man hoffte, alle diese Vorrechte und Ungleichheitenverschwänden mit dem Siege der wirtschaftlichen Freiheit.

Viele Vorrechte des Adels, der Zünftler, der Städte fielen auch, aber in dembeginnenden fieberhaften Wettkampf kamen die fähigsten und rücksichtslosesten so raschvoran, bildeten sich bald durch die Natur der Sache, durch glückliche Geschäftslage, durchErfindungen so bevorzugte wirtschaftliche Stellungen, waren die Vorzüge des Groß-betriebes über den Kleinbetrieb an vielen Stellen bald fo groß, daß immer ungleicherePersonen, Vermögen und Geschäftsorganisationen nicht auf allen, aber auf vielen Märkten,an vielen Punkten mit einander kämpften. Und so entstand auf einem wachsenden Teilder volkswirtschaftlichen Arena das Schauspiel, daß statt zweier Gruppen zahlreicherKlein- und Mittelbetriebe, statt vieler Konsumenten und Produzenten, statt vieler Arbeiterund vieler Arbeitgeber nur wenige oder gar ein Großer und Mächtiger den vielenKleinen und Machtlosen gegenüberstand. Diese Erscheinung meint man, wenn man vonMonopolen in der Volkswirtschaft spricht. Wir haben oben schon darauf hingewiesen,müssen hier noch etwas auf die Frage eingehen, was ein wirtschaftliches Monopol sei,wie es wirke.

Man gebraucht den Begriff in ziemlich verschiedenem Sinne; bald nennt man esMonopol, wenn ein oder mehrere nur gewisse Vorzüge, größeren Kapitalbesitz, technischeoder persönliche Überlegenheit haben, bald will man als Monopol nur das ganz aus-schließliche Recht oder die ausschließliche Macht eines Produzenten gelten lassen. Alsrechtliche Monopole stellen sich die Betriebe dar, die der Staat oder die Gemeinde sichallein vorbehält; im weiteren Sinne die, welche die öffentlichen Gewalten durch Konzessionen,Patenterteilung und in ähnlichem Wege nur einigen oder wenigen erteilen. Von that-sächlichen Monopolen spricht man, wo in Zusammenhang mit der Eigentumsverteilunggewissen Grundstücken, Erzlagern, Kohlenlagern eine bedeutende wirtschaftliche Überlegenheitzu teil wurde. Man hat sogar alles private Grundeigentum ein Monopol genannt. Auchbesondere persönliche Vorzüge können zeitweise für bestimmte Geschäfte eine Art Monopol-stellung begründen. Zeitliche und partielle Monopole entstehen, wo vorübergehend,z. B. durch Erntcverhältnisse, kriegerische Ereignisse die Zufuhr von ferne stockt, wo indem Umkreise von einigen Meilen die Konkurrenz fehlt. Gewisse Verkehrsanstalten, wieKanäle und Posten, Eisenbahnen und Telegraphen haben meist faktisch ein Monopol,