Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
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Das europäische Münzwesen bis ins 14. Jahrhundert.

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Silberbarrenzahlung, zumal für den Großhandel; in Italien entstand die Großmünzeneben den Pfennigen, die im 14. Jahrhundert auch über die Alpen drang. In Bezugaber auf den Pfennig entsteht die allgemeine Losung, die jährliche Verrufung müsseaushören: der äeng.rius xsrxöwus wird stürmisch gefordert und durchgesetzt; früherim Westen als im Osten; doch kommen in Frankreich noch im 14. Jahrhundert, alsgrob fiskalische Mißbräuche, mehrmalige Verrufungen im Jahre vor. Die Städte undStände bedingen sich ihren Bischöfen und Fürsten gegenüber eine Verrufung nur allevier Jahre oder beim Regierungswechsel oder mit ihrer Zustimmung aus; die Städteerwerben ein Kontrollrecht über die Münze oder kaufen sie ganz zum Zwecke von derenBeseitigung. In Schlesien, Brandenburg, Dänemark dauert die alte Sitte aber bisins 14. Jahrhundert; Braunschweig erhält erst 1412 den ewigen Pfennig.

Für die Geldbesitzer war damit ein Mißstand beseitigt; für die Münze ergabsich sofort ein neuer: der Verkehr wurde jetzt nicht mehr von der alten, abgenutztenMünze befreit; die umlaufenden Pfennige verschlechterten sich rasch maßlos; neue gutehielten sich nicht daneben. Der Münzherr verlor seine Münzeinnahme; schon um auf feinePrägekosten zu kommen, Prägte er die Denare jetzt leichter als die Münzordnung besagte;wo gute Stadtverwaltungen die Münze erworben hatten, widerstanden sie Wohl dieserVersuchung mehr, hatten dann aber erhebliche Kosten. Zugleich fingen die zahlreichengeprägten Pfennige damals an, über die Städte hinauszudringcn; aus der Umgebungfloß jetzt viel leichter als früher die schlechtere Münze der Nachbarn ein, trotz allerVerbote und Valvationen. Das erniedrigte auch den Wert des örtlichen Geldes. Soist es wohl zu erklären, daß der Sieg des ewigen Pfennigs von 11501400 zugleichdie Epoche der stärsten Verschlechterung seines Gehalts ist. Er ist in Köln 1380 auf0,076 Gramm angelangt, also auf '/22 des Karolingischen; 12801380 wurde dasKölner Geld, einst wohl das beste deutsche, jährlich um 2,81 Prozent schlechter (Kruse).

Die ganze Denarcnepoche ist eine Zeit, in welcher Barren, Pfennige und andereZahlmittcl noch nebeneinander stehen, in der aber nur, so lauge der Umlauf ein ganzbeschränkter war, die Denare ihren Dienst thun; als mit dem wachsenden Verkehr undder stärkereu Silbcrproduktion mehr geprägt werden soll, versteht man es nicht, dieKosten des Münzschlags mit den Interessen reichlicher und gleichmäßiger Prägung inEinklang zu bringen. Die in den Städten 11S01400 siegende Geldwirtschaft bringtmit ihrer namenlosen Münzverfchlcchtcrung folche Münzwirren, Krisen, Münzrevoltenund -Aufstände, daß ein neuerer Schriftsteller, K. Helfferich , das Paradoxon aufstellenkonnte, das gemünzte Metallgeld habe in gewisser Beziehung einen Rückschritt gegendas ungemünzte Varrengeld bedeutet.

Ob man das heutige chinesische Geldwesen mit dem europäifchen des 13.14.oder des 16.18. Jahrhunderts parallelisieren foll, wird man bezweifeln können; jedenfallssehr vollkommen ist es nicht und zeigt viele Züge des ältern europäischen. Es existiertdort die alte seit 3500 Jahren bestehende durchlochte Kupfermünze, der Lasli; Gewichtund Legierung schwanken sehr; um 3 Mark zu zahlen, braucht man etwa 5 Kilogrammsolcher Münzen. Im Inland werden aber die meisten Zahlungen mit ihm abgemacht.Seit 1873 prägt man in Kanton die im Fremdcnhandel beliebten Dollars, seit 10Jahren prägen einige Provinzialregierungen daneben kleinere Silbermünzcn und Ein-dollarstücke; es existieren jetzt schon über ein halbes Dutzend verschiedene Dollars. DerGroßhandel bedient sich seit lange mehr der Silberbarren von 1100 Unzen, mitStempeln der Prüfungsbehörde und des ausgebenden Bankiers; 1 Unze reines Silberheißt ein Tael; auch deren giebt es sehr verschiedene; der wichtigste ist der Haikuan-Tael,nach dem die Seezollämter rechnen. Es ist ein Chaos von einheimischen und fremdenMünzarten, das mit der Zeit verschwinden muß.

165. Die Epochen des europäischen Geld- und Münzwefens von13001900. e> Die nächste klar sich abgrenzende Epoche des Münz - und Geldwesensreicht in der neueren Geschichte im ganzen vom 14. bis ins 17.18. Jahrhundert.Es ist die Epoche der Kämpfe und tastenden Versuche, welche die Ausbildungeines vollkommenen Münz - und Geldwesens begleiten mußte. Der Geld-