Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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7» Drittes Buch. Tcr gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u, der Einkommensverteilung. jo2K

die Zeit, da in ganz Mitteleuropa wesentlich nur Pfennige oder Denare, später auch Halb'und Vierteldenare aus Silber geprägt werden. Es ist erstaunlich, daß der Denar, welcher800 ca. 1,7 Gramm Silber enthielt, 950 im Durchschnitt noch 1,5, 1150 noch 1,4Gramm hatte; erst im 14. Jahrhundert stellte er sich auf ca. 0,5 Gramm und darunter.Wenn man, wie gewöhnlich, die Verschlechterung des Pfennigs auf die Münzrcchts-verleihungen an Bischöfe und andere Große, auf das Selbständigwerden der Grafen inihren Münzmanipulationcn zurückführt, fo hat zwar natürlich die Schwächung dercentralen Gewalt und die Lockerung der Kontrolle von oben viel dazu beigetragen;aber allein erklärt dieser Umstand die Erscheinung nicht. Er war auch 9501250vorhanden; warum wirkte er erst später in so starker Weise? Erst von da an, teilweisenoch später, beginnt die rasche Verschlechterung der Denare und wirkt an den ver-schiedenen Orten so verschiedenartig. Zu Ende der Hohenstaufenzeit wiegt der Pfennigzwischen 1,4 und 0,36 Gramm und enthält zwischen 975 und 415 TaufendtcilenFcinsilber.

Es will mir scheinen, man müsse zur Erklärung eine Thatsache heranziehen, dievon größter Tragweite war. Alle Psennigprägung in Mitteleuropa war von 800 bisgegen 1150 überhaupt eine ganz beschränkte. Man brauchte Pfennige gar langeeigentlich nur auf dem Jahrmarkt, später auf dem Wochenmarkt in den Städten; dieTechnik der Prägung war eine so unvollkommene, daß alle Pfennige in kürzester Zeitabgenutzt waren und dann nicht mehr gern genommen wurden; Pfennige anderer Orteund Märkte wollte niemand annehmen, schon weil man, isoliert lebend, das Geprägeder anderen Orte nicht.kannte. So entstand zuerst im Anschluß an die Jahrmärktedie Übung, daß man für jeden Jahrmarkt eine neue Münze Prägte; in Schlesien istnoch im 13. Jahrhundert die Übung, daß tria kor», dreimal jährlich geprägt wird.Anderwärts wurde es Sitte, zweimal jährlich, dann alle Jahre neue Pfennige mitandcrm Bild zu prägen. Es entstand die Gewohnheit, die bald allgemein zur Rechts-sitte wurde, daß an jedem Orte, allgemein oder für bestimmte Zahlungen, besondersdie wichtigen, nur die neuen Pfennige des Ortes galten. Wer fremde oder alte Pfennigebrachte oder hatte, mußte sie auf der Münze gegen neue wechseln. Meist mußte man13 alte für 12 neue Pfennige geben; an fein Silber sollten alte und neue gleich viel halten.Den Reingewinn, den der Münzhcrr so machte, hieß man den Schlagschatz; er betrug8,3 °/o; forderte man aber gar 16 alte für 12 neue, so stieg er auf 25°/o, wie es im14. Jahrhundert in der Mark Brandenburg üblich war. Die Prägekosten mögendamals Wohl 46 °/o des Silberwertes durchschnittlich betragen haben; der Gewinnam Schlagschatz war also ursprünglich nicht übermäßig hoch; in dem Capitular Pipinsaus dem ersten Jahr nach seiner Krönung ist er freilich nur auf den 22. Solidus, alfoauf etwa 4,5 °/o bestimmt.

Verfuhren alfo die Münzherrcn im übrigen redlich, hielten die neuen Denaredasselbe Silber wie die alten, so war das Recht, die Münzen jährlich zu verrufen undan ihre Stelle neue zu setzen, nicht notwendig vom Übel. Es war eine jährliche Be-steuerung der Besitzer von Münzen, die es den Münzherren ermöglichte, ohne finanzielleSchädigung, ja mit Gewinn zu Prägen, eine Einrichtung, die stets wieder alle alten schlechtenMünzen beseitigte. Aber es war offenbar eine Institution, die nur bei dem geringstenGeldverkehr und bei einigermaßen ehrlicher Handhabung erträglich blieb. Das mochte imgroßen und ganzen bis 1150 und 1200 der Fall sein. Die Geldzahlungen waren wenigstensnördlich der Alpen noch minimale; die Münzprägung und Überwachung war einfach;man hatte nur eine einzige Münze, den Pfennig. Die jährliche Verrufung und Um-wechselung iu neue Pfennige war da noch durchzuführen.

Als nun aber die Zahlungen und der Münzbedarf wuchsen, als größere Zahlungenim Handelsverkehr von Ort zu Ort nötig wurden, und dafür Denare in sehrgroßer Zahl begehrt wurden, auch im weitern Umkreis als bisher cirkulierten, dawurde die jahrliche Neuprägung und Verrufung teuer und lästig, da wollten die Besitzervon Münzen die jährliche Umwechselungssteuer von 825 Prozent nicht mehr tragen.Man half sich mit der vom 12.14. Jahrhundert in Deutschland weit verbreiteten