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Das Eindringen fremder Münze und die erste Münzprägung.
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spätern Entwickelung des Geldwesens spielt das periodisch massenhaft eindringende Geldder handelsmächtigeren Völker in die Gebiete anderer, welche eines guten, eines Geldesin größeren Stücken, eines Handelsgeldes entbehren, noch eine große Rolle. MancheRegierungen haben lange Zeiträume hindurch ein gewinnbringendes Geschäft darausgemacht, für wirtschaftlich niedriger stehende Länder, die ihr Geld überschätzten und zuhoch annahmen, zu münzen. Ein geordnetes, befriedigendes Geldwesen ergab sich durchdieses Eindringen fremder Münze kaum irgendwo auf die Dauer. Vorübergehendwurden dadurch freilich gewisse Fortschritte begründet, die aber zur Handelsabhängigkeitsührten, wenn die einführenden Völker nicht selbst bald die Münze nachschlugen. Jahr-hunderte lang können so fremde Münzen in großem Umfange bei Barbarenvölkerncirkulieren, ohne daß eine Geldwirtschaft im neueren Sinn entsteht.
b) Aber auch wenn die Völker in primitiver Weise beginnen, selbst zu prägen,wie es die germanischen unter den Merowingern und Karolingern, den sächsischen,fränkischen und schwäbischen Kaisern, sowie die meisten europäischen Staaten bis ins12. und 13. Jahrhundert thaten, wird der Zustand nicht sehr viel anders, d. h. dasMünz - und Geldwesen bleibt eine Einrichtung, die sich auf wenige Orte und Kreisebeschränkt, die noch keineswegs die ganze Wirtschaftsweise umgestaltet, die Natural-wirtschaft nur in einzelnen wenigen Punkten verdrängt und modifiziert. Freilichgestaltet sich diese Periode des Geldwesens verschieden, je nachdem Münzeinrichtungenund Münzrecht, Verkehr und Technik der älteren Kulturvölker in reinerer oder getrübtererWeise den Betreffenden überliefert und von ihnen ausgenommen wurden, je nachdem essich um größere oder kleinere, centralisierte oder lose auseinanderfallende Staatsgebietehandelt, je nachdem sie an Länder höherer Kultur direkt grenzen, mit ihnen leichtenWasservcrkehr haben oder mehr isoliert sind und große Ackerbauflüchen umfassen. Imganzen zeigt aber das Münz - und Geldwesen dieser Stufe der Entwickelung doch gewisseübereinstimmende Grundzüge. Wir suchen sie zu erfassen in dem mitteleuropäischenGeldwesen des 8.-13. Jahrhunderts. In sast allen europäischen Staaten treffen wirnach der Völkerwanderung und bis ins 8. und 9. Jahrhundert die Nachwirkung desantiken, in der Hauptsache des römischen Münzwesens. Die römischen Münzeinrichtungenerhalten sich im fränkischen Reiche; das ausschließliche Recht der Staatsgewalt aus dieMünzprägung, das Verbot jeder privaten Prägung, die Bestrafung des Falschmünzensdauern in alter Weise fort. Dem derben Realismus der Fürsten jener Tage erscheintdie Münzhoheit aber vor allem als eine Einnahmequelle: das Münzregal soll denfiskalischen Münzgewinn liefern. Die Tendenz hierauf blieb der vorherrschende Zug imganzen Mittelalter. Ohne dieses Reizmittel des fiskalischen Gewinnes würden diedamaligen Gewalten nicht leicht zur Münzprägung gekommen sein. Großer politischeroder wirtschaftlicher Pflichten iu Bezug auf das Münzwesen waren sie sich nur aus-nahmsweise bewußt. Bis ins 17. Jahrhundert blieb es allen Regierungen unbegreiflich,daß man, etwa um gutes Geld zu haben, die Kosten der Prägung aus allgemeinenMitteln bestrciten könne. Schon der Verzicht auf einen über die Kosten hinausgehendenGewinn ist ein Gedanke, der in seinen Ansängen erst der Renaissancezeit angehört.
Ruhte so also auch das Münzwesen der europäischen Staaten des Mittelaltersauf dem wichtigen Princip der staatlichen Münzhoheit, so war das Ergebnis doch meistkein erfreuliches, weil die Absicht, Münzgewinne zu erzielen, doch bald und meist über-wog, und weil das Münzhoheitsrecht frühe an Große, an Städte und Korporationenaller Art weggegeben, die Münzprägung in Form der Münzpacht an Private kam undohne rechte Kontrolle nur noch vom Standpunkt des Gewinns ausgeübt wurde, endlichauch weil die unvollkommene Münztechnik, gute Münze herzustellen, kaum oder nurmit zu viel Kosten gestattete.
Immerhin ist es wunderbar, daß den Karolingern nicht nur eine für ihre Zeiterstaunliche Centralisation des Münzwescns in den Händen der Königsgewalt gelang,sondern daß sie auch verstanden, die Münzgesetzgebung und --Verwaltung so zu ordnen,daß sür lange Zeiten ein relativ guter Zustand des Münzwesens eintrat, ein vielbesserer als später, hauptsächlich von 1150—1300 ab. Mit den Karolingern beginnt