72 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u, der Einkommensverteilung- ^53l)
Verkehr siegt in den Städten, dringt aber daneben auch mehr aufs Platte Land vor;das Rechnen in Geldpreisen wird allgemeiner, ohne doch schon die Mehrheit zu beherrschen.Die Kunst der Münzprägung macht einige Fortschritte, ist aber in ihrer Technik dochim ganzen noch unbefriedigend. Man versteht die kleinen Münzen noch nirgends ganzgleichmäßig und nirgends billiger herzustellen. Eine übergroße Zahl kleiner unvoll-kommener Münzstätten erhält sich, trotz der beginnenden und nach und nach siegendenVerstaatlichung und Centralisierung des Münzrechts und der Münzprägung.
Die wichtigste Änderung gegen früher war, daß man neben den Pfennigen undHalbpfcnnigen größere Münzen zu schlagen begann, zunächst das Zwölfpfennigstück(Florenz 1182—1192, Venedig 1150—^
14. Jahrhundert), die Schillinge oder Groschen; in Lübeck zuerst 1325 Doppelpfennige,1365 Schillinge; in Straßburg 1397 die ersten Groschen. In Italien kam frühe derDoppclschilling, grosso, zu 24, bald ein solcher zu 36 und 48 Pfennigen auf; Venedigschlug zuerst die Großsilbermünze von 240 Pfennigen 1472, die das Vorbild destirolischen und böhmisch-deutschen Guldengroschen oder Thalers wurde. Der Groschenhielt ursprünglich 4,5 Gramm fein Silber (der heutige Franc 4,175), er ging freilichfrühe auf ein Gewicht von 3 und 2,5 (im 14. Jahrhundert) und 1559 auf etwa1 Gramm fein herab; sein Feingehalt sank 1300-1600 von 16 auf 8 Lot (100 aus50 Teile). Eben deshalb wurde als eigentliche Groß- und Handelsmünze zuerst von Florenz (1252), dann von Venedig (1284), im 14. Jahrhundert von sehr vielen Münzherrender Goldgulden geprägt, der viel leichter gut zu Prägen und in gleichem Gewicht undin gleicher Feinheit zu erhalten war. Ursprünglich 3,53 Gramm fein Gold, blieb erbis 1400 auch im Norden auf 3,4, war am Rhein freilich 1500 2,5; dabei blieb er;der venetianische Goldgulden oder Dnkat (Zcchine) blieb 1282—1797 auf etwa 3,55bis 3,49. Der Goldgulden war ursprünglich als ein Äquivalent von ein PfundPfennigen (240, oder 20 Schillingen ) für den größeren Handel geschaffen worden; seinStellvertreter in Silber, seit 1484 in Tirol, später allgemein in Deutschland alsGuldengrofchen oder Thaler geschlagen, erhielt sich auch als Species- und Konventions-,als Kronthaler lange gut, sank nur von 27,4 auf 23—25,5 Gramm fein herab, umfreilich dann im preußischen Thaler 1750 auf 16,7 Gramm fein Silber zu gehen. Deramerikanische Dollar mit 24, der russische Rubel mit 18 Gramm fein Silber sindebenfalls Ableger des Species- oder Konventionsthalers.
Seit so die Groß- und die Kleinmünze nebeneinander bestanden, suchte der Groß-handel mehr und mehr in der bessern, billiger zu prägenden, weniger abgenutztenGroßmünze, feinen Verkehr abzumachen. Es war damit für diese Geschäfte eine solideBasis gewonnen, wo die Großmünze in genügender Menge vorhanden war. Es lagdarin ein großer Fortschritt. Die Städte und Gebiete mit relativ früher und reichlicherPrägung von Großmünzen waren die, welche mit durch diese Einrichtung wirtschaftlicham schnellsten vorankamen. Die Großmünze, von gewissen Handelscentren aus sichverbreitend und erst lange nach ihrer Verbreitung von den lokalen Münzgewaltennachgeprägt, hatte so von Anfang an einen interlokalen und internationalen Charakter.Der Goldgulden ist im 14.—15. Jahrhundert fast eine europäische Münze.
Lag in der längeren Erhaltung von Gewicht und Feinheit der Großmünze undin der bessern Sicherung aller Zahlungen durch sie, sowie in der Erleichterung desgroßen Handels der Fortschritt des europäischen Münzwesens vom 13.—17. Jahrhundert,so war die Kehrseite doch nicht minder ins Gewicht fallend; ja, wir werden fagen können,daß sie in der Mehrzahl der Gebiete und Zeiträume überwog. Das Problem war einunendlich viel schwierigeres dadurch geworden, daß nun Groß-, Mittel- und Klcinmünzc,Gold- und Silbermünze nebeneinander cirkulieren sollten und zwar fo, daß diese ver-schiedenen Münzen ein System ausmachten, daß der Goldgulden einen festen Wert inGroschen und Pfennigen habe, daß bei der bis ins 16. Jahrhundert fortdauerndenRechnung in Pfennigen die Silber- und die Goldgroßmünze, die ja ursprünglich als12- und 240-Pfennigstück gedacht, aber schnell im Wert der Pfennige gestiegen war,doch auch später in irgend welcher sesten und sichern Relation zu den Pfennigen bleibe.