Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Das Problem des Nebencinanderbestchens von Groß- und Kleinmünze.

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Das wurde nur unter besonders günstigen Verhältnissen und vorübergehend erreicht.Die Verschlechterung des Pfennigs dauerte überall fort. Er war 1400 etwa Vsov,1524 Vsolv, 1551 i/2?7s der feinen Mark. Die silberne und goldene Großmünze, ausder Fremde stammend, konnte ihre Handelsfunktion nur erfüllen, wenn man fortfuhr,sie so gut zu prägen wie in ihrer Heimat. Nun sollte sie aber mit der kleinen Orts-münze in feste Relation gebracht werden; das war nur möglich entweder durch, eineVerbesserung dieser, die wegen der vorherrschenden Preise und der Nachbarn aus-geschlossen war, oder durch eine Verschlechterung jener, zu der man nach und nach auchschritt, wie man den rheinischen Gulden absichtlich leichter prägte, erleichterte, um ihndauernd im 15. Jahrhundert aus 24 Albus oder Großsilberstücke zu halten. Aus diesemKamps zweier entgegengesetzter gleichberechtigter Interessen kam man nicht heraus. Unddazu kamen weitere Schwierigkeiten. Je größer das Bedürfnis an Münzen wurde, destoschwieriger war sür alle Münzherren ohne Bergwerke die Edelmetallbeschaffung. Bis ins18. Jahrhundert haben stets wieder die meisten Münzherren ein, fünf, zehn und mehrJahre lang den Münzhammer aus diesem Grunde ganz oder fast ganz ruhen lassen müssen.

Die Normierung des Münz - und Geldwesens durch Instruktionen und Ordnungenwurde iu dem Maße schwieriger, als es sich nicht mehr um die örtliche Angelegenheiteines städtischen Marktes, sondern um die ganzer Gebiete und Staaten mit verschiedenenZuständen und Interessen handelte, uud als man mehr und mehr durch die Münz -und Geldzustände der Nachbarn mit berührt wurde. Die Zersplitterung des Münz-rechts wurde jetzt erst ein Übel ohne Gleichen; sie zu beseitigen gelang nur langsam,an einzelnen Punkten. Und dabei dauerte die alte Finanzvorstellung, daß die Münzeeinen fiskalischen Gewinn geben solle, nicht nur fort; sie erhielt durch die größerenPrägungen einerseits, die wachsenden Finanznöte der Fürsten andererseits vom 14. Jahr-hundert an noch einen Antrieb stärkster Art zur Geltendmachung; man sah jetzt, daß mandurch schlechteres Geld, dem man den Stempel des alten bessern ließ, Tausende, ja bereitsMillionen im Moment schaffen könne; und die Versuchung hierzu war um so größer,je schlimmer die Finanznot uud je stärker die Regierungsgewalt war. Die heute nochnicht verschwundene theoretische Vorstellung, daß der fürstliche Stempel dem Edelmetallseinen Münzwert gebe, war damals noch viel verbreiteter, und sie wurde stets erst Lügengestraft nach Monaten und Jahren, nicht im Augenblick. Nimmt man alle dieseMomente zusammen, so begreift man, wie unendlich fchwierig es gerade vom 14.18.Jahrhundert war, zu einem gesunden Münzwesen zu kommen, wie so mit der Groß-münze zunächst eher eine Zunahme als Abnahme der Münzwirren und -Krisen eintrat.

In Italien hatten Florenz und Venedig in ihrer Blütezeit wohl ein gutesGeldwesen; aber im übrigen und vollends im 16.18. Jahrhundert waren dieitalienischen Münzzustände geradezu haarsträubend. In Frankreich hatte die Kronedas Münzwesen früh centralisiert, dafür waren aber auch die fiskalischen Mißbräucheim 14. Jahrhundert und auch später oft wieder sehr schlimm. In England hatte diestarke Königsgewalt und ihre frühe Ausbildung dem Lande bis etwa 1353 ein gutesgleichmäßiges Silbergeld erhalten; dann folgten auch schlimme Münzfußerleichterungen,am brutalsten 154952; von da an hat England sich durch ein im ganzen gutesGeldwesen ausgezeichnet, wenn es auch noch manche Anstöße und Münzwirren erlebte.In Deutschland haben einzelne Erzbischöfe und Städte, wie Köln, Straßburg, Lübeck ,Erfurt, Nürnberg , für einige Generationen Wohl im Laufe des 13.16. Jahrhundertssich ein leidliches Geldwesen im engsten Kreise erhalten, aber sie scheiterten immer wiederdurch die Berührung mit dem Münzwesen ihrer Nachbarn; ein Heer von Münzvcrträgenund Münzvereinen sollte Besserung bringen, hat auch im einzelnen viel gebessert, imganzen aber die mangelnde einheitliche Staatsgewalt und Münzhoheit nicht ersetzenkönnen. Von 13501450 waren alle deutschen Stadtgebiete schon viel zu klein füreine selbständige Münzpolitik geworden. Die Fürsten suchen von 1400 an das Münz-wesen in den größeren Territorien rechtlich und faktisch zu centralisieren. Nur wenigenLändern mit guter Verwaltung, hauptfächlich denjenigen mit Silberbergwerken, gelingtes, für ein paar Jahrzehnte wieder mal Ordnung zu schaffen. Das Reich sucht durch