H87^ Das Notenbankwesen der übrigen Staaten. Der Sieg der Centralbanken.
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gcfchäften und allen von den Staaten konzessionierten die Notenausgabe durch einehohe Steuer von 10°/o fast unmöglich. Die neuen National-Banken dürfen heute nureine im Verhältnis zum Aktienkapital bestimmte Notenmenge ausgeben; sie müssen5 °/o ihrer Noten bar und daneben Unionsbonds (von nicht weniger als ^4 desAktienkapitals, mindestens aber 50 000 Dollar) beim Staatsschatz deponieren,sie dürfen nur 90°/o dieses Depots als Noten ausgeben, müssen '/2 °/o Steuer vomNotenumlauf zahlen, ihre gleichmäßigen Notcnformulare von dem „LomMollsr" derWährung in Empfang nehmen. Die Folge war, daß der Notenumlauf immer mehrabnahm, alle Banken immer mehr das Depositen- und Chcckgcschäft ausbildeten. Dermäßige Notenumlauf hörte fast auf, dem Kredit zu dienen, er wurde ein Bestandteil derim übrigen aus staatlichem Papiergeld u. s. w. bestehenden Papiercirknlation. GroßeKrisen wurden dadurch nicht gehindert; in der Krisis von 1893 hörten 100 National-banken, 172 Staatenbanken, 177 private Banken auf zu existieren. Das Unionsschatzamtlöst alle Nationalbanknoten ein, hat dazu Depots von den Banken, kaust und verkauftBundesfchuldscheine, nimmt am Clearingverkehr teil; die Geldreserve des Schatzamtsbeherrscht den Geldmarkt; das Schatzamt ist zu einer Art Unionscentralbank geworden,aber doch ohne den Einfluß auf den Diskont wie eine Centralbank, ohne eine Elasticitätder Mittel, wie sie die europäischen Centralbanken besitzen. Seit 1894 sieht man dieUnHaltbarkeit des Systems ein, ist aber noch nicht zu einer ausgiebigen Reform ge-kommen. Denn die 1900 durch daß Währungsgesetz gegebene Erleichterung der Gründungvon kleinen Nationalbanken mit Notenumlauf hat zwar in einem Jahre nicht wenigerals 563 Banken in Orten mit unter 6000 Seelen geschaffen, den Notenumlauf sehrvermehrt, die Geschäftsthätigkeit künstlich gesteigert, aber die Grundmängel, das Fehleneiner großen elastischen Centralnotenbank nicht beseitigt.
Trotz aller Verschiedenheit zeigen diese kurzen summarischen Nachrichten über dieNotenbankentwickelung der wichtigsten Kulturländer den oben erwähnten überein-stimmenden Grundzug: allerwärts siegen die großen Centralbanken, gehen die kleinenNotenbanken zurück oder verschwinden. Dazu hat viel mitgewirkt: die Unzufriedenheitdes Publikums mit einer Überzahl verschiedener kleiner Noten, die schwer zu prüsensind, das geringere Vertrauen, das fast alle kleinen Notenbanken genossen, die leichtereund leichtsinnigere Notenausgabe und Kreditgebung der meisten kleineren konkurrierendenBanken, ferner die mangelnden kürzeren, seltneren öffentlichen Gefchäftsberichte derkleinen Banken, endlich der Zug zum Großbetrieb mit all' feinen Ursachen, seinerKostcnsparung überhaupt. Das Entscheidende war aber doch überall die Gesetzgebung,welche mit ihren Schranken den kleinen Banken zu unbequem wurde, die großen Central-banken beförderte oder erzwäng. Und die Motive für dieselbe lag stets in dem Zu-sammenhang der Notencirkulation mit den volkswirtschaftlichen und staatlichen Gesamt-interessen, deren Durchführung nur in den Händen einer Centralbank garantiert schien.Die Aufrechterhaltung der Landeswährung, der geregelten guten Münzcirkulation, dierichtige Einwirkung auf die Edelmctallaus- und einfuhr, die Herstellung einer stetsgenügenden Edelmetallreserve für alle anderen Banken, für die Staatsregierung unddie ganze Volkswirtschaft, all' das kann nur einer großen centralen Noten- und Diskonto-bank gelingen; nur eine solche kann eine Diskontopolitik großen Stils betreiben unddamit alles kaufmännische Kreditgeben, alle nationale Produktion von dem höherenStandpunkte der gesamten Volkswirtschaft und des Staatswohls aus richtig leiten.Eine solche Centralbank hört, wie auch ihre Verfassung fei, durch die Natur der Sacheauf, ausschließlich oder in erster Linie Gewinne machen zu wollen; sie wird ein öffent-liches Institut, sie wird das wichtigste Organ der ganzen Volkswirtschaft, das, welchesallein oder hauptsächlich die akuten Krisen beschwören und verhindern kann.
Wenn sonach heute für die kapitalreichcn und vorgeschrittensten Völker eineCentralisation des Notenbankwesens das Richtige, ja etwas Unentbehrliches ist, so wares doch nicht falsch, auf Stufen niederer volkswirtschaftlicher Entwickelung und geringerenReichtums mit einer Decentralisation des Notenwesens und einer gewissen Notenfreiheitzu beginnen, da die Entstehung eines Bankwesens überhaupt hierdurch wesentlich ge-