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1872 auf 48,9 Mill. Pfd. Sterling an. Sanken die Grundrenten dann schon von1846—1875 ein wenig, so war die Abnahme sehr viel stärker von da an. Caird nimmtan, die englischen Grundeigentümer hätten 1875—1885 schon 14,8 Milliarden Mark anGrundwert verloren. Was so außerordentliche Umstände 1770—1870 geschaffen, haltenRicardo und seine Nachfolger für das Naturgesetz jeder Volkswirtschaft.
In den Kolonien mit ursprünglich überflüssigem und reichem Boden hat einebeispiellose Bevölkerungszunahme im 19. Jahrhundert eine Grundrentenbildung ge-schaffen, wie sie die alten Staaten Europas nur in ihren Kolonisationsperioden oderspäter unter besonderen Ausnahmeverhältnissen erlebt hatten. Der englische Acre Acker-land stieg in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahrzehnten überall, wo Wege,Eisenbahnen und Verkehr hindrangen, von 1—3 Dollars auf 10, 20, 40, ja 80 bis100 Dollars. Jede kleinste Aufschwungsperiode erzeugte eine fieberhafte Landspekulation,die, übers Ziel hinausschießend, dann zur Krise sührte. Man rechnete in den gutenJahren auf eine jährliche Wertzunahme des Bodens von 10 — 15°/o (Sering). Allesnahm an der Landspekulation teil; ein großer Teil der reichen Leute der Union danktihr Vermögen der geglückten Bodenspekulation. Der große wirtschaftliche Fortschrittknüpste vielfach gerade an diese Gewinne an; sie waren für Viele Pioniere derKultur, des Städtebaues die Prämie für kühne Wagnisse und große Kulturleistungcn,für Hunderte der Nachtreter freilich nur unverdienter Vermögenszuwachs, für die Taufendeder falsch Spekulierenden die Ursache ihrer Bankerotte. Kein Wunder, daß die populäreMeinung (Henry George vgl. I S. 98) diese Landspekulation heftig anklagte, in ihreine Bestätigung der Monopolanklagen Ricardos sah. Immer steht heute gutesAckerland im bevölkerten Osten pro Hektar noch nicht höher als auf 800-1000 Mk.,also auf der Höhe mecklenburgischer Bodenpreise, während der Hektar am Rhein auf2000—4000 Mk. teilweise steht. Daher die Schwierigkeit der Konkurrenz von Gebietensolcher Bodenpreise mit den amerikanischen Böden, die noch zu 200—800 Mk. stehen.Der Boden wird in weiteren zwei Generationen die europäischen Preise und Rentenerreicht haben. So riesenhaft hier die Monopolrenten sind, ein Teil der Steigerung istdoch auch auf Urbarmachung, Bestellung, Wegebau u. s. w. zurückzuführen.
d) Stellen wir nun neben diese historischen auf die Gesamtbewegu.'g der Grund-rente ganzer Länder gehenden Betrachtungen die andere Frage, wie sich örtlich undgeographisch der landwirtschaftliche Reinertrag, die Grundrente undihre beiden Teile, die Monopol- und die Ersatz reute, gestalte, so wirdman hier Ricardo viel mehr Recht geben können als auf dem Gebiete seiner historischenSchlüsse. Er irrt sreilich in der Annahme, daß irgend ein Boden ursprüngliche und un-zerstörbare Kräfte habe, daß aus ihnen die Monopolrente entspringe. Jeder Boden giebt nurdurch sorgfältige Pflege seine Reinerträge, ohne sie gäbe er auch keine Monopolrente. Und erhat darin nicht recht, wie schon erwähnt, daß stets der beste Boden zuerst angebaut werde;oft ist es umgekehrt, und das beschränkt die historische Monopolrcntenbildung sehr. Aberes ist ihm unbedingt darin zuzustimmen, daß der von Natur fruchtbarere und der demMarktmittelpunkt näher gelegene Boden höhere Reinerträge und damit nach und nachauch eine Monopolrente giebt, die dem schlechteren und entlegeneren Boden fehlt. JedeGrundsteuerklassifikation zeigt uns, daß man bei gleicher durchschnittlicher Bewirtschaftungauf dem Hektar geringeren Ackerlandes 10, auf dem besten 60 Scheffel Winterkorn unddem entsprechend eine verschiedene Rente annimmt. Je nach der Nähe am Dorfe giebtderselbe Boden doppelten oder dreifachen Ertrag; berechnet doch Thünen, daß der Rein-ertrag einer Gutsparzelle, die direkt beim Hofe liegt, nochmal so hoch ist als der einergleichen Parzelle, die etwa 3000 m entsernt liegt, und daß bei etwas über 5000 mjeder Reinertrag aushört. Nach dem neuen Hamburger Grundsteuerkataster geht derberechnete Reinertrag pro Hektar bei Holzungen auf 4 Mk. herab, steigt bei Gärten auf100 und mehr Mark, er ist im sandigen Geestgebiet durchschnittlich 20—30, in derreichen Marsch 70 Mk. Nach den guten Kaufpreisermittelungen aus Hessen waren1877 die Durchschnittspreise für das Ackerland ganzer Steuerbezirke pro Hektar 700bis 3439 Mk. Innerhalb der Steuerbezirke kommen nun noch die größten Verschieden-