442 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlanscs u, der Einkommensverteilung. ^90g
noch, daß I. G. Hoffmann, Krug und andere aus den ersten 40 Jahren des Jahr-hunderts noch zahlreiche Beispiele von Bauernhufen anführen, für die kaum irgend einAbnehmer zu finden war, daß die preußischen Domänen 1820—1833 nach der Ansichtder ersten Sachverständigen gerade nur das Gebäudekapital mit 5°/o verzinsten. Diemecklenburgischen Hufenpreise Verhalten sich in ihrem Steigen von 1770 —1879 anfolgendermaßen:
Lehnhuse Allodialhufe Die Domäncnpachtpreise pro Hufe waren :
1770—1779 100 100
1800—1309 361 331
1810—1319 210 215
1840—1849 461 657
1870—1878 677 775
1843—1345 4393 Mk.
1850 — 1855 5275 „
1860—1865 8529 „
1873—1879 7179 „
Einige Domänenpachtzahlen nach Conrad seien noch angeführt pro Hektar in
Mark nach Regierungsbezirken:
1819185018701890
9,98,5218,3120,65
10,8831,9230,15
9,7114,8325,6028,21
Einige Domänen Niederschlesiens gebenStralsuud j„ ihrer Pacht folgende Verhältniszahlen:
1819 7,62 1840 100
1850 13,62 1850 125 — 134
1870 31,88 1875 187—373
1390 28,22 1900 169—316
Im Jahre 1902 erzielten 25 preußische Domänen pro Hektar 36,50 Mk., in derVorperiode 46 Mk. Die große Periode der steigenden Kauf- und Pachtpreise von1840—1875 enthält gewiß manche Monopolrentenbildung, aber auch das Resultat einerviel höheren Bewirtschaftungsweise und Kapitalinvestation, der Wegeausbildung, Separa-tion und Ablösung u. s. w.; sie wird weniger Monopolrentenbildung gewesen sein alsdie Steigerung 1780—1306. Ein Teil des 1840—1875 erzielten Monopolwertes ging1875—1900 wieder verloren, wie es denn überhaupt charakteristisch für das Jahr-hundert ist, daß aus die eine Blütezeit 1840—1875 die zwei großen langen Krisen1806—1840 und 1875—1900 kommen, in welchen Grundrente und Kaufpreise fielen,zahlreiche Bankerotte die Landwirtschaft heimsuchten.
Kann das Bild der Grundrentenbildung Frankreichs und Deutschlands von1800—1900 als typisch gelten für Länder älterer Kultur, so sehen wir ein wesentlichabweichendes Bild in dem England von 1770 — 1846 und in den Kolonialgebieten, indenen europäische Bevölkerung und Technik eine rasche Kolonisation im 19. Jahrhunderterzeugten. England hatte lange Epochen niedriger, unveränderter Weizenpreise. Rogerssührt sür 1260—1520 einen Durchschnittspreis pro Quarter Weizen von 5 ^/s Schillingan. Und im 17. Jahrhundert war derselbe 38 Schilling, 1701—1766 32 Schillinggewesen; von einer großen Monopolrentenbildung war in diesen Zeiten keine Rede, dieGetreideexportprämien von 1689 an erleichterten den überführten englischen Getreide-markt. Nun aber kam von 1770 an der große industrielle Aufschwung, der Kampfmit Frankreich , die Absperrung der ausländischen Zufuhr; die innere Landwirtschaftkonnte dem Bedarf entfernt nicht folgen; der Weizenpreis stieg (1804—1812) bis auf88 Schilling und mehr; nach dem Krieg hielten die Schutzzölle die Preise bis 1846auf 56—66 Schilling. In dieser ganzen Epoche von 1770—1846 fand eine enormeMonopolrentenbildung statt, eine Ausdehnung des Ackerbaues auf ganz schlechte Böden.Aus dieser Zeit stammt die Theorie Ricardos, die Anklage gegen das Monopol derGrundrente. Es waren außerordentliche Umstände, Krieg, eine durch Klasseninteressenbeherrschte Handelspolitik, einseitige Jndustrieentwickelung, welche ein Steigen der Pachtper Acre von 10 auf 50, ja vereinzelt 70 Schilling (1790 — 1815), auf wenigstens noch25—40 Schilling in der Folgezeit schufen (Porter). Zuverlässige Schätzungen gaben dieRente der landwirtschaftlich benutzten Grundstücke Englands 1798 auf 6,5, 1860 auf 42,9,