Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
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Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen.

Kanal 1743; er ersparte jährlich 20 000 Thaler Salz- und Holzfrachten. Eine Reiheostpreußischer Kanäle (16881788), der Finowkanal, der die Unteroder mit der Havel und Berlin verband (17421746), der Bromberger Kanal 1772, die Schiffbarmachungder Netze und Ruhr, die Oderkorrektionen, die anderweitigen Flußverbesserungenvollendeten ein Wasserstraßennetz, wie es kein anderer deutscher Staat besaß. DasFremdenrecht war in Preußen im 18. Jahrhundert aus einem städtischen und territorialenmehr und mehr nach langen Kämpfen ein staatliches geworden. Die gleiche Accise- undGewerbeverfassung umschloß mehr und mehr den ganzen Staat; einer inneren Freizügigkeitnäherte man sich ebenso wie einer mehr und mehr erleichterten inneren Warencirkulation,die aber bis 1806 immer noch weit entfernt war, ganz unbehindert zu fein. Schondie Thoraccise jeder Stadt hinderte diese Freiheit, und jede Provinz und jede Stadthatte etwas andere Accisetarife. Die erschöpfenden Reformarbeiten von 16701756an den alten Lokal- und den Territorialzöllen des 16. Jahrhunderts hatten Wohleinige Besserung und Erleichterung gebracht, aber wesentlich wegen der drohendenfinanziellen Ausfälle keine gründliche Änderung.

l>. Die Pläne des Großen Kurfürsten, um jeden Preis Pommern und Stettin zuerwerben, die Schweden von der deutschen Ostseeküste zurückzudrängen, Polen nicht ansMeer kommen zu lassen, eine staatliche Flotte zu erwerben, die Handelsmarine inKönigsberg und Kolberg zu heben, eine feste Stellung in Emden und Stationen inOstafrika und Westindien zu bekommen, beruhten auf dem richtigen Gedanken, den durchdie kleinliche hanseatische Stadtwirtschastspolitik an Holland, Schweden und Dänemark verlorenen Ostseehandel wieder an eine deutsche, an die erstarkte preußische Macht, zubringen. Lange Verhandlungen und Verträge mit Holland, England, Dänemark ,Frankreich, Braunschweig, Lüneburg zielten ebendahin; Harburg sollte ein braunschweigisch-brandenburgischer Ausfuhrhafen werden. Diese Ziele waren in der Hauptsache durch denHandelsneid der großen europäischen Mächte nicht realisierbar. Aber der Grundgedankewar richtig. Der werdende preußische Staat hatte eine seiner wichtigsten wirtschaftlichenAufgaben darin, eine Vermittlerrolle zwischen West- und Osteuropa zu erlangen;er konnte dies nur mit einer eigenen Industrie, deren Pflege der Große Kurfürst auchbegann; aber außerdem dadurch, daß er die eigene Kaufmannschaft hob, die demütigendeAbhängigkeit und Ausbeutung von Holland und Schweden, dann auch die von Hamburg ,Danzig, Leipzig, Breslau abzustreifen, einen steigenden Teil des Warenstromes von Ostnach West und umgekehrt über Brandenburg-Preußen zu leiten suchte; das mußte erstin der Form des Fracht- und Speditions-, dann auch in der des Eigenverkehrs erstrebtwerden. Der Müllroser Kanal, die Versuche der Belebung des Oderhandels, der Baudes Hafens in Swinemünde , die Staatspost dienten dazu, wie der den Engländern,trotz der hohen Bestechung der russischen Bureaukratie durch sie, abgejagte einträglicheTuchabsatz nach Rußland 17221738. Immer war Friedrich Wilhelm I. in diesenBestrebungen vorsichtiger, der innere Schutz der heimischen Arbeit war ihm wichtiger,als seinem vom Kammerdirektor Hille zu kühnen Plänen angeregten Sohne. Friedrichder Große erschöpfte sich in Versuchen, Handelsverträge mit Frankreich, Spanien , denMittelmeerstaaten zu stände zu bringen, den Emdener Handel zu heben. Er sah imErwerb Schlesiens vor allem ein Mittel, dessen große Handelsstellung in Österreich ,Polen und Rußland , den großen Absatz von Tuch, anderen Manufakten, Gewürzen u. s. W.nach dem Osten nun für Preußen zu erhalten. Teilweise gelang ihm dies; Österreich aber weigerte sich, zumal von 17531756 ab, die Schlesier und ihre Waren wiebisher zuzulassen. Dann griff der König zur Wiederherstellung des Magdeburger Stapelrechtes, zum Verbot der Hamburger Schiffe in feinen Staaten und zum Magde-burger Transitozollsystem (Anfang 1743, ungünstige Ordnung 1755, noch mehr 1765,gut wirkende 1768). Diese Mittel sollten den großen Durchfuhrhandel von Hamburg undLüneburg nach Schlesien, Sachsen, Thüringen aus einem Fremd- in einen Eigenhandelder Magdeburger und Berliner verwandeln, und sie erreichten auch zu einem Teil dasZiel. Den gleichen Zweck hatte das schlesische Transitozollsystem (von 1765), dasden polnisch-sächsischen Durchfuhrhandel zu einem schlesisch - preußischen machen follte.