Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
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Deutschlands und Preußens Lage im 17. und 18, Jahrhundert.

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Nirgends natürliche Grenzen; der Staat war wie durch Zufall aus dem übrigenDeutschland herausgeschnitten. Doppelt schwierig war seine Handelspolitik; seine wirt-schaftlichen Hauptgegner und Konkurrenten blieben fast mehr deutsche Nachbarn alsfremde Mächte: so bis 1740 Schlesien mit seinem großen, polnisch-russischen, Brandenburg und die Meßstadt Frankfurt schädigenden Handel; das reichere Sachsen mit seiner Leipziger Meßhandelspolitik; das bis 1720 schwedische Vorpommern mit Stettin , das in schwedischenHänden den großen Kurfürsten hinderte, seine Seemachtspläne auszuführen und denOderhandel zu heben; die Seestädte Hamburg und Danzig , welche Brandenburg von15001700 in immer größere Abhängigkeit brachten; Österreich , das den VerlustSchlesiens nicht verschmerzen konnte, zuletzt wie Sachsen in dauernden Zollkrieg mitPreußen kam.

Der große Kurfürst gebot in seinem Kernlande über ganz verarmte gedrückteBauernschaften, einen unbotmäßigen nach polnischem Aristokratenregiment schielendenKleinadel und verkümmerte Landstädte, und doch gelang ihm, gestützt auf Heer undBeamtentum und auf die Mittel seiner reicheren westlichen Lande, eine kühne monarchisch-politische Reform und damit auch der erste Anlauf einer freilich oft versagenden staatlich-merkantilistischen Politik. Seine Nachfolger, vor allem Friedrich Wilhelm I. <1713 bis1740) und Friedrich der Große (1740 1786) vollendeten mit wesentlich auf ein Schutz-system eingeschränkter Tendenz seine Ziele. Drei Hauptzwecke hat dabei die preußischeHandelspolitik 16401806 verfolgt, 1. die Herstellung einer inneren wirtschaftlichenEinheit, 2. den Versuch, Preußen zwischen West- und Osteuropa doch eine gewisse maß-gebende Handelsstellung zu verschaffen, 3. die eigene Industrie und die eigene Land-wirtschaft zu schützen und emporzuheben. Betrachten wir sie nacheinander.

a. War die innere Wirtschaftspolitik zunächst in jedem Territorium darauf ge-richtet, den Verkehr zwischen den Städten und Gutsherrschaften gerecht zu ordnen, beideunter die Landeshoheit und das Landesinteresse zu beugen, die hinderlichen Stadt-,Markt-, Stapel-, Abzugsrechte, die Auswüchse des lokalen Zunft- und Fremdenrechteszu beseitigen, das bestehende örtliche Zoll- und Steuerwesen in ein landesherrliches um-zubilden, so trat von 1660 an dazu das Bemühen, die Territorien sich wirtschaftlich zunähern, z. B. zuerst Hinterpommern und die Neumark zu verbinden. Als Stettin 1720 preußisch geworden war, suchte man die Kaufmannschaften von Stettin, Berlin ,Magdeburg, nach 1740 anch die von Breslau zu einer gemeinsamen Ordnung desOderhandels und des Handels über Stettin hinaus bis nach England, Frankreich ,Spanien zu bringen. So schwer es Stettin geworden war, aus einer schwedischen Stadtmit schwedischen Handelsinteressen eine preußische zu werden, noch schwieriger wurde esdem Herzogtum Magdeburg, seine engere Verbindung mit Sachsen und Hamburg auf-zugeben; erst nach langen Schwankungen und Kämpfen kam es dazu, das Magdeburgisch-Halberstädtische überschüssige Getreide statt nach Hamburg nach Berlin , das MagdeburgischeSalz, statt nach Sachsen und Thüringen zu führen, zur Versorgung des ganzen preußischenStaates zu verwenden und so von Halle aus einen großen Verkehr bis Stettin . Königs-berg, Breslau zu organisieren; nur schwer ertrug es Magdeburg , seine Wollüberschüsseund Hammel statt nach Braunschweig und Sachsen nach Brandenburg abzugeben.Straßen, Zölle, Stapelrechte, Schiffahrtsordnung und Postorganisation mußten dazugänzlich geändert, ueuorganisiert werden. Die preußische Staatspost, von 16601670begründet, 1690 aus Reit- in Fahrkurse umgewandelt, war bald eine der besten undbilligsten, der centralisiertesten, auch auf viele Nachbarlande sich ausdehnenden, von Memel bis Holland reichenden Postanstalten in Deutschland. Der Müllroser Kanal, 16621668erbaut, sollte die Oder mit der Havel und Elbe verbinden, da der untere Oderhandelseit der Sperre von 1562 und 1572 verfallen und Stettin bis 1720 in schwedischenHänden war; er machte aus Berlin einen erheblichen Umschlagsplatz, wurde von Kur-sachsen als Unrecht gegenüber den bestehenden Stapel- und Straßenrcchten betrachtetund bekämpft. Ebenso der Bau der Saalschleusen (16941697), den Sachsen fasthundert Jahre lang gehindert hatte, der erst den Wasserverkehr für Salz, Holz, KohleVon Halle abwärts und ostwärts erlaubte. Dazu kam zu gleichem Zweck der Plauensche

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