1. AUSSCHLUSS DER BAUERN AUS DEN LANDSCHAFTEN.
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werde. Mau hielt es nämlich damals in manchen Kreisen füretwas Unnatürliches, daß die Schlesischen Pfandbriefe den Pari-kurs um 6—7% überschritten hatten. Von anderer Seite wurdeausgeführt, daß die Landschaft zwar den Kredit der adeligenGutsbesitzer gehoben habe, den der Bauern aber schädige, da siealle flüssigen Kapitalien an sich ziehe. Endlich wurden im Laufeder 90 er Jahre auch noch die Dismembrationen der adeligenGüter zugunsten der Errichtung eines bäuerlichen Kreditinsti-tuts ins Eeld geführt 1 ). Man begründete dies wie folgt: Es seinotwendig, die Dismembrationen zu erleichtern. Dies müssein der "Weise geschehen, daß man es den Bauern ermögliche,mit Hilfe einer für sie geschaffenen Kreditkasse die zur Über-nahme der herrschaftlichen Äcker erforderlichen Kaufgelder auf-zubringen 2 ).
Diese ganze Agitation hatte aber ebensowenig Erfolg, wiedie bereits von uns an anderer Stelle 3 ) geschilderten gleich-artigen Bestrebungen der Ostpreußischen Köllmer. Die Regierunghielt eben auch noch am Ende des XVIII. Jahrhunderts daranfest, daß es nicht im Interesse der bäuerlichen Grundbesitzerliege, wenn man ihnen das Schuldenmachen zu sehr erleichtere.
Eine Änderung in diesen Anschauungen trat erst ein, nach-dem in den leitenden Kreisen die liberalen staatswirtschaftlichenIdeeen zur Herrschaft gelangt waren. Vom Standpunkte der Re-former aus war es ein Unding, daß das Recht zur Teilnahmean den Landschaften von der Zugehörigkeit zu einer bestimmtenKlasse des ländlichen Grundeigentums abhängig war 4 ). Manwünschte deshalb, daß alle ländlichen Grundeigentümer in dieLandschaften aufgenommen würden. Nicht nur aus wirtschaft-lichen, sondern auch aus sozialpolitischen Gründen trat man hier-für ein. Die erste Anregung zur Aufnahme der Freibauern indie Landschaften ging von dem Geh. Finanzrat und Kammer-
4 ) Schles. Provinzialblätter, Jahrg. 1795. S. 336.
2 ) S. o. S. 89 ff.
3 ) S. 78.
4 ) v. Knobloch, Bemerkungen über den Entwurf zu einem PosenerKreditsystem (1819), S. 75.