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Die Grund-Entlastung in Bayern / von Sebastian Hausmann
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DIE STANDE.

Verhältnisse mannigfach modifizierten Wirkungen derselben,wie wir sie eben beim Adel kennen lernten. Speziell beiden Klöstern scheint dabei dasHerkommen eine ganz be-sondere Rollo gespielt zu haben; es waren ja gerade unterden Wittelsbachern zwar recht gowaltthätige, aber auch sehrfromme Männer, die besonders bei den Klöstern, namentlichwenn cs sich gleichzeitig um einen Geldzuschuss handelte,gerne ein Auge zudrückten; ausserdem wussten gerade dieKlöster und ihre Prälaten wie u. A. diechronologischeGeschichte des Klosters Ramsau von Reithofer 1815 eintreffliches Beispiel bietet in der Erweiterung ihrer Privi-legien eine ganz bewunderungswürdige Konsequenz und Aus-dauer zu entwickeln. Die Privilegien und Burgfriedens-konzessionen der Städte und Bannmärkte waren dem Umfangenach ausserordentlich verschieden; die Hauptstädte besassensogar die hohe Gerichtsbarkeit, während bei den übrigenStädten und namentlich bei den Bannmärkten auch die Nieder-gerichtsbarkeit noch vielfachen Einschränkungen unterlag.

Was den Anteil der Stände an dem Grundbesitz betrifft,so wird hierüber im ersten Teile der Arbeit das Nötige mit-geteilt werden. An dieser Stelle hier sei bezüglich der Zahlder Stände im Allgemeinen nur so viel angeführt, dass die-selbe zeitweilig durch die zahllosen Kriege ausserordentlichstark vermindert wurde und im Allgemeinen stetig abnahm,solange nicht die notwendig werdende Erweiterung derStaatsverwaltung einen grösseren Hofadel schuf. So führtBüchner 1 in seiner bayrischen Geschichte an, dass von demRegierungsantritte Maximilian I. bis zum letzten bayrischenLandttage (1669, von da an trat nur mehr ein Ausschussder Stände jährlich zusammen) die Landstände sich fast aufdie Hafte verminderten. In dem genannten Jahre betrugdie Zahl im Ganzen nur 468, nämlich 94 Prälaten, 96 Städteund 278 Landsassen, d. h. Besitzer von adeligen Gütern.Hervorgehoben sei noch der ungeheure Anteil an dem Grund-besitz, der auf die zahlreichen Klöster entfällt (1776 warenes in Ober- und Niederbayern 120, in der Oberpfalz 18);

1 A. Buolmer, Geschichte von Bayern, IX. Bd., 1853; p. 12.