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DIE TIIATSÄCHLICIIE LAGE.
ausnahmslos mit Privatwaldungen verbunden; das zusammen-hängende Gebiet wird nirgends oder höchstens an den Be-rührungspunkten mit dem Gebiete der umliegenden Ortschaftenvon den Grundstücken fremder Grundbesitzer durchbrochen.Weitaus die grösste Zahl dieser Einöden hatte sich im Laufelanger Zeiten zu derartigen in sich geschlossenen Besitzungenentwickelt. Es waren ursprünglich kleinere Ansiedlungen ge-wesen, inmitten der Waldungen oder grosser öder Land-striche, die dann durch Kultivierung unbebauten Bodensallmählich vergrössert worden waren. Dazu waren in denlangwierigen Kriegszügen des 17. und 18. Jahrhunderts Tau-sende von Bauernhöfen wieder verödet, deren Boden ohneweiteres in Besitz genommen werden konnte, anderes Gebietwar durch Kauf und von der Mitte des vorigen Jahrhundertsan teilweise auch durch Austausch dazu gekommen. Aufdiesen Einödhöfen sehen wir die erste Vorbedingung füreinen rationellen Ackerbau, die Unabhängigkeit von andernGrundbesitzern, erfüllt. Trotzdem finden wir, dass gerade aufdiesen Einödhöfen sich vielfach die primitive Bewirtschaftungam meisten aufrechterhielt, da es den Besitzern derselbenunmöglich war, sich die nötigen Arbeitskräfte zu beschaffen.Wir hören, dass fast ausnahmslos nebeu dem grossen Bauern-hause, darin der Bauer mit seiner Familie, mit seinen Knechtenund Mägden wohnt, eine Anzahl von Tagelöhnerhäusern er-richtet ist, deren Bewohner gegen freie Wohnung, gegenbestimmte Reichnissc in Natur und gegen bestimmten Tag-lohn ausschliesslich für den Besitzer der Einöde zu arbeitenverpflichtet sind. Und trotzdem wird uns mitgeteilt, dassabgesehen von den ungemein grossen Weideplätzen dieserHöfe die Felder nicht selten nur alle 5 oder 6 Jahre umge-brochen werden. Bei dieser Sachlage erklärt es sich leicht,dass die grosse wirtschaftliche Bedeutung dieser geschlos-senen Güter vielfach verkannt und dieselben überhaupt alsein Missstand bekämpft wurden ! , während doch tatsächlich
1 So heisst os einmal in dem „Politischen Journal“, Marz 1784,p. 223: „Eine nachteilige Einrichtung in der bayrischen Landwirtschaft,die aber ihren Grund in dem Volksmangel hat und auch nicht eher