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Die Grund-Entlastung in Bayern / von Sebastian Hausmann
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1. J)IE EINÖDEN- UND DORF WIRTSCHAFT.

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gerade auf ihnen an der Wende des Jahrhunderts die Ein-führung neuer rationeller landwirtschaftlicher Einrichtungenberuhte.

In den Dörfern haben wir, wenn wir nur die unmittel-bar mit dem Ackerbau in Verbindung stehenden Personen insAuge fassen, die Bauern, die sog. Söldner oder Häusler, dieLeerhäuslor, die Tagwerker und die unständigen Taglöhner.Die Bauern, die im Dorfe ihr Anwesen, in der Dorfflur ihrenBesitz an Feld und Wiesen, auf den Gemeindegründen ihrenentsprechenden Nutzungsanteil haben, unterscheiden sich jenach der Grösse ihres Besitzes in ganze, halbe, viertel, selbstachtel und sechzehntel-Bauern. Der Massstab der Einteilungist verschieden. In früheren Zeiten war derselbe genau be-stimmt. So findet sich in den von Krenner herausgegebenenbayrischen Landtagsverhandlungen aus dem Jahre 1478 1 dieEinteilung in wirkliche Höfe oder Schwaigen, in Huben oderHalbhöfe und in Lehen oder Viertelshöfe, je nachdem derBesitzer 5, 3 oder nur 2 Pferde halten darf. Im Laufe derZeiten aber hatte sich auch hierin eine weitgreifeude und mitRücksicht auf die Lasten und Abgaben tief einschneidendeVerschiedenheit herausgebildet. Wir finden für die zweiteHälfte des vorigen Jahrhunderts meist das Verhältnis derartgeordnet, dass ein ganzer Bauer mindestens für 8, ein halberfür 6, ein viertel für 4 Pferde Feldbau und Wiesenwachshaben muss. In einzelnen Gegenden ist die Einteilung auchdirekt nach dem Umfang des Gutes getroffen, so z. B. inHohenschwangau, wo der Bauer mindestens 9, der halbe

aufgehoben werden kann, bis letzterer verbessert wird, sind die sog.Einöden oder Einsiedlerhöfe, deren man in Bayern gegen 40000zählt. Viele dieser Höfe beherrschen einen Bezirk von oft mehr alseiner halben Stunde in die Länge und in die Breite. Sie sind alle vonden Dörfern entfernt und liegen allein. Ein solcher Bauer aut einemEinsiedlerhofo pflügt nur mit. 8 Pferden, da er nach dem Umfangeseiner Äcker mehrenteils 12 bis 16 zum Feldbau nötig hätte. Auf dieArt liegen die besten Felder oft 0 Jahre lang brach, weil es an Händenzur Arbeit fehlt, oder wegen der geringen inneren Konsumtion unddes Mangels einer vielfältigen Ausfuhr, der Preis des Getreides zubillig ist.

1 Krenner, Landtags-Vorhandlungen etc., 180)1, VIII, p. 284.

Hausmann, die grundherrl. Verfassung Bayerns . 4