2. DIE GUTSI1ERESC1UFT.
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völligen Unbestimmtheit, die in diesem Punkte herrschte:„Gerade der Yolksteil, der die Laudemien entrichten muss,kennt nicht viel mehr als das Wort davon; wie und nachwelcher Regel gezahlt werden muss, darüber kann er schwer-lich klug werden.“ 1 Es herrschte eben — und überall konnteman sich auf das Herkommen berufen — bei der Laudeinial-behandlung nur in dem einen Punkte eine Übereinstimmung,dass man durch Zahl und Höhe der Laudemien einen mög-lichst hohen Betrag zu erzielen strebte. Es hatte sich eineArt von Praxis entwickelt, den Laudemialfall unter allerleiVorwänden zu vervielfältigen; besonders liebte man es, beidem Tode des Familienvaters das Gut nominell zunächst aufdie Frau und von dieser erst auf ein Kind übergehen zulassen, um so einen dreifachen, manchmal sogar vierfachenLaudemialfall zu konstruieren. Anderseits verstand man es,die Laudemien immer mehr in die Höhe zu treiben; in denmeisten Fällen wurde eine in der Zwischenzeit stattgefundeneGutsbesserung bei der Schätzung angenommen und deshalbein höherer Laudemialbetrag angesetzt. In zahlreichen Fällenwurden die Laudemien geradezu als Spekulationsobjekt be-nutzt. Man forderte dem neuen Gutsübernehmer, namentlichwenn derselbe ein besonderes Interesse an dem Gute zuhaben schien, so hohe Laudemien ab, dass er nach Entrich-tung der Sporteln und Gebühren beim Antritte seiner Wirt-schaft von jeglichem Kapital entblösst war, — „dass sie (dieGrundholden) demnächst der Mittel, Gebäude, Viehstand,Ackergeräte und den sonstigen Gutsbeschlag in besserenStand zu setzen, grösstenteils entblösset sind“, — heisst esin der Verordnung vom 3. Mai 1779. Musste doch, um einziffernmässiges Beispiel anzuführen, ein Bauer, der ein Gutvon etwa 1500 Gulden an Gutswert übernahm, ohne dieInventur- und Kommissionskoston nicht weniger als 456V2Gulden baar bezahlen! 2 Der neue Gutsinhaber war alsogezwungen, wenigstens in sehr vielen Fällen, Kapital aufzu-nehmen ; nun hatte er aber, jeglichen wahren Eigentums baar,
1 Münchener Int.-Blatt, 1797, XVI. Stück, 15. April.
2 W e s te n r i e d e r, Beschreibung des Stambergersees, p. 152.
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