Druckschrift 
Die Grund-Entlastung in Bayern / von Sebastian Hausmann
Entstehung
Seite
70
Einzelbild herunterladen
 

70

DIE TI LATSAC1IEICUE LAGE.

natürlich nur sehr beschränkten Kredit und konnte sich inder Regel nur an den Grundherrn selbst wenden, der ihmauch nicht ungerne ein unbeträchtliches Kapital auf bestimm-ten, nicht allzulangen Termin vorstreckte. Nur zu oft wares dann dem Grundunterthau schlechterdings unmöglich, denTermin einzuhalten; nur widerwillig und nach grossen frei-willig gebrachten Opfern erklärt sich der Grundherr bereit,den Termin zu verlängern; ist an diesem Termin der Grund-hold abermals nicht in der Lage, seine Schuld zu tilgen, sowird er von dem Gute vertrieben und die Spekulation mitden Laudemien beginnt von neuem mit einem anderen Über-nehmer. In einem anonymen, sehr gemässigt geschriebenenWerkchen 1 versichert uns der Verfasser, der offenbar alsehemaliger Herrschaftsbeamter die gesamten Verhältnisseaus eigener Erfahrung sehr genau kannte, dass er auf einemGute seiner Herrschaft innerhalb 12 Jahren diesen eben ge-schilderten Prozess 3 bis 4mal sich abspielen gesehen habe!Dazu kam endlich noch ein weiterer Umstand, der die Höheder Laudemien stark beeinflusste: Nach der Taxordnung

hatten die Schergen und Beamten keinerlei Nachrechte beiGutsveränderungen; trotzdem aber hatte sich ganz allgemeindas Herkommen gebildet, dass dieselben von jedem Gulden,den die Herrschaft zu Laudemien erhielt, 8 Kreuzer, beStiften und Klöstern das Doppelte zu fordern hatten, na-türlich ein mächtiger Ansporn für die Beamten, ihrerseitsnach Kräften auf die Vermehrung der Laudemialfälle undauf die Erhöhung der Laudemien hinzuwirken. Die Grund-herren hüteten sich auch, in den Gerechtigkeitsbriefen jemalsdie Höhe der Laudemien anzugeben, die Beamten aber er-teilten über dieselben keinerlei Bescheinigung.

Auch hier suchte nun der Kurfürst Karl Theodor Ab-hilfe zu schaffen, allein auch hier war er darauf beschränkt,einzelnen allzu grossen Missbräuchen durch Verorduungenetwas abzuhelfen, ziemlich ausnahmslos ohne Erfolg, dannaber mit seinem eigenen guten Beispiele zu wirken. Auch

1 Wie geht man mit den ständischen ITntertlmnen um? 1802,