DIE ENTWICKLUNG VON 1808 — 1818.
117
.alle Strassen verpallisadierten, waren auf einmal wie vomDonner niedergesclimettert. Aus kümmerlichen einmähdigenWiesen gingen 2- und 3mähdige mit Wässerung bald her-vor. 1 Eine Menge überflüssiger Waldungen verwandelte sichin schöne Fluren, Hopfen- und Obstgärten. Viele der zugrossen Bauernhöfe zertrümmerten sich. Die sog. Klein- undLeerhäusler wurden durch den neuen Besitz von den gleich-heitlich abgeteilten Gemeindegründeu auf freies Eigentumund 25 jährige Zehentfreiheit selbst Landwirte und thaten esbald den grossen Bauern an Bearbeitung des Bodens und Be-handlung des Viehs zuvor. Eine Menge neuer Häuser warenbald in allen Gegenden zu schauen und damit eine neue Be-völkerung. Der Unterricht im Landbau ward dadurch vor-bereitet, dass jeder Schule im Lande ein Teil von den ab-geteilten Gemeindegründen zugewiesen werden musste. —Eine wahre Kulturwut, wie man es auch damals nannte, er-griff alle Gemüter, und so sehr auch Vorurteil, Justizbehördenund die damaligen Stände dagegen ankämpften, so konntedoch nichts der hohen Thätigkeit und Vollzugskraft jenerDeputation widerstehen, da Kurfürst Maximilian und seinMinisterium die Deputation und ihren Kulturreferenten mitaller Macht stets schützten.“
II. DIE ENTWICKLUNG VON 1808—1818.
Wenn der Anfang des Jahrhunderts durch die im vorigenAbschnitte geschilderten umfassenden Bestrebungen für Agrar-reformen im Einzelnen ausgezeichnet war, so bedeutet die Zeitvon 1808 bis zur Verfassung einen Einhalt, um nicht zu sageneinen starken Rückgang in dieser Reformlust, ohne dass etwabezüglich der Agrarreform grossen Stils, Umgestaltung oderBeseitigung der Grundherrlichkeit, ein Fortschritt zu ver-zeichnen wäre.
< Nach der gl. Quelle: 1799—1. Aug. 1803 — 11236, 1. Aug.1803—31. Doz. 1804 — 9994, zusammen: 21230 Tagwerk.