12G DIE BAYII. AGRARGESETZGEBUNG VON 1800 — 1848.
sonders in einer Schrift des Freiherrn Georg von Aretin Aus-druck gefunden haben. 1
Aretin geht von der Meinung aus, dass es im Allge-meinen mit den bäuerlichen Verhältnissen überhaupt nicht soschlimm bestellt sei. Es herrsche ein Wohlstand des Land-mannes in Bayern , „wovon man sich in andern Ländern kaumeinen Begriff mache“. Der Reisende finde überall auf demLande schöne Gebäude und gute Kleidung, schöne Pferde,Wagen und Geschirre, auf den Jahrmärkten selbst der kleinstenFlecken und Städtchen ungeheure Menschenmengen und grossenGeldumlauf, — „die Leute, die man hier wacker zechen, umhohes Geld spielen und mit unbefangener Heiterkeit bei-sammen sieht, sind Besitzer von Leibrechts-, Freistifts- undNeustiftsgütern, und können also nicht unglücklich sein.“Allerdings ist manchmal „jetzt wo die neuen Steuerschuldig-keiten neben den alten grundherrlichen Abgaben entrichtetwerden sollen, wo jene ins Unendliche vervielfältigt werden,wo die Grundherren selbst wegen immer steigender Forderungendes Staates ihre Gefälle viel strenger einziehen müssen“, dieLage der Grundholden etwas schwieriger geworden. Alleindaran ist nur die Verschwendung der Regierung schuldund die Missachtung des Grundsatzes, dass „die Ausübungder Bürgerpflicht nicht nach den jetzigen Verhältnissen, sondernnach jenen, welche zur Zeit der abgeschlossenen Verträgeherrschten, zu bemessen sei“, dass also die grundherrlichenAbgaben nicht nach den viel später entstandenen Steuernsich beschränken lassen, dass vielmehr die Grundholden zuder allgemeinen Steuerpflicht nur soweit herangezogen werdendürfen, als sie neben den grundherrlichen Abgaben nochleistungsfähig seien.
Soweit die bäuerlichen Wirtschaften sich in schlechterLage befänden, beruhe diese durchaus nicht auf dem System
1 Abhandlung über die grundherrlieben Hechte und Landeskulturin Bayern, Hauptstützen des öffentlichen Wohlstandes. Von GeorgFreiherrn von Aretin, Kgl. Bayerischem Kämmerer und Generalkommissär.In erster Ausgabe 1817 erschienen, später dann, 1839, wieder aufgelegt(Zeitbedürfnisse mit besonderer Rücksicht auf Bayern, 3. Bändchen).