1>1E ENTWICKLUNG vun 1818 — 1848.
141
Nachdem so lange Jahrzehnte hindurch kein nennens-werter Fortschritt in all diesen Verhältnissen eingetreten war —„die 30 jährige Erfahrung hat gezeigt, dass auf das freiwilligeÜbereinkommen der Privaten zur Beseitigung dieser Übel-stände nicht gerechnet werden könne“, heisst es in den Mo-tiven zu dem gleich noch näher zu besprechenden Gesetz-entwurf vom Frühjahre 1848 1 —, wurden die langgewünschtenReformen durch die Bewegung des letztgenannten Jahresmit verblüffender Schnelligkeit herbeigeführt.
Die Münchener Vorgänge vom Februar 1848 sind be-kannt, ebenso die Stimmung, die dadurch im ganzen Landeherbeigeführt oder richtiger gesagt zum Ausbruche veran-lasst wurde; denn wenn nicht diese tiefgehende Erbitterungvon langer Zeit her sich in weitem Umfange angesammelthätte, wären die Ereignisse des Frühjahres 1848 überhauptuicht zu begreifen. An zahlreichen Orten, insbesondere imFränkischen, kam es zu bedauerlichen Ausschreitungen 2 ), diejedoch überall schnell wieder unterdrückt wurden. Die Fruchtdieser allgemeinen Bewegung war eine Flut von Adressenan den König und an die Ständekammern, namentlich nach-dem die Proklamation vom 6. März mit der Erklärung, „die
1 Nach einer Zusammenstellung von Hermann, Die Erntenim Königreiche Bayern, Seite 7 waren unmittelbar vor der Ab-lösung im Jahre 1848 noch 8,3 Millionen Tagwerk im grundherrlichenVerbände (davon gegen 5 Millionen dem Staate, 1 Million den Stiftungenund Kammern, gegen 2 Millionen einzelnen Privaten gehörig). Dieoben erwähnten Motive aber schätzen die Grundgefälle, „zurück-geführt auf fixe Reichnisse“, annähernd auf 7,1 Mill. Gulden beimStaate, 3,15 Mill. bei den Stiftungen, 3,20 Mill. bei den Privaten und180000 bei den Gemeinden.
2 Vgl. die kleine Druckschrift „Die Bewegungen in Franken unddie Gutsherrn“ (ohne Jahr und Ort, jedenfalls noch im Frühjahr 1848erschienen). Die ganze Bauernbewegung in einem einzelnen südbayri-schen Landesteile, im „Riess“ (bei Nördlingon), hat kürzlich eine sehrinteressante Darstellung gefunden in einer Abhandlung von Prof. Dr.Ludwig Müller, Beiträge zur Geschichte des Bauern-krieges im Riess und seinen Umlanden (Ergänzungen, 5: Diebäuerliche Erhebung im Riesso 1848), in der Zeitschrift des HistorischenVereins für Schwaben und Neuburg, J. 1890 und 1891, wie auch inSonderabdruck erschienen.