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Die Grund-Entlastung in Bayern / von Sebastian Hausmann
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152
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152 DIE BAYR. AGRARGESETZGEBUNG VON 18001848.

verzichten, welche der Gestaltung einer neuen Ordnung imVaterlande entgegentreten könnten. 1

Bei den Verhandlungen der Reichsratskammer über denGesetzentwurf traten Männer wie die Grafen Montgelas ,Armaunsperg, Giecli und Reigersberg, sowie die FürstenHohenlohe 2 und Wallerstein mit grosser Entschiedenheit fürdie vorgeschlagene Reform ein, und die gleichen Persönlich-keiten waren, als später die Rückäusscrung der zweitenKammer zur Beratung stand, mit allen Kräften bemüht, eineEinigung zwischen den beiden Kammern und damit das Zu-standekommen des Gesetzes herbeizuführen. Bemerkenswertist auch, dass bei der ersten Abstimmung der Reichsrats-kammer über den Gesetzentwurf die Vorlage mit 31 gegen6 Stimmen angenommen wurde; unter diesen letzteren aberwaren die Erzbischöfe Urban und Graf Reisach von Bamberg und München, der Bischof Richarz von Augsburg, und danndie drei Grafen Arco-Valley, Karl und August Leinsfeld.

Endlich verdient hier noch erwähnt zu werden, dassauch litterarisch Mitglieder des hohen Adels in einem Sinne

1 Vgl. Allgemeine Zeitung 1S-18 Seite 1065 und 1729 (14. undiS. April).

2 Gerade die Rede des Fürsten Hohenlohe in der Generaldebatteder Reichsratskanimer ist so bezeichnend, dass ihr wesentlicher Inhalthier wiedergegeben werden mag: ,Ioh selbst habe sie (die Ablösung)seit Jahren gewünscht. Die Einleitungen, die ich deshalb bei mir ge-troffen habe, sind an der Ungunst der Verhältnisse gescheitert. Des-halb habe ich mich überzeugt, dass die Zwangsablüsung nötig sei. Ichverkenne nicht die Rechtsverletzung, die iu dem Gesetze liegt, ich er-kenne sehr wohl die sozialen Umwälzungen, die das Gesetz zur Folgehaben wird. Allein die Zeit fordert nicht das Gesetz, nein, sie führtes mit sich in ihrem unaufhaltbaren Strome, der uns mit fortzureissendroht. Was diese grosso Zeit, die Zeit der Macht und Einheit Deutsch-lands , der wir entgegengehen, was sie an grossen Opfern fordert, daswerde ich, das wird der Adel gern und mit Freuden geben, wenn esdem Volke Nutzen bringt. Ich vertraue der Zukunft, dass sie für dieÜbelstände, welche dies Gesetz in die soziale Ordnung einführen mag,auch die Heilmittel bieten wird. Ich begleite den Gesetzentwurf mitdem herzlichen Wunsche, er möge dem deutschen Vaterland zum Heilegereichen. (Verhandlungen der Kammer der Reichsräte, Band 3Seite 92).