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Die innere Colonisation in Schleswig-Holstein vor hundert Jahren : Rede zum Antritt des Rektorates der Christian-Albrechts-Universität in Kiel am 5. März 1895 / von Wilhelm Seelig
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erläutern und begründen sollen. Diese trugen als Motto den bekanntenAusspruch des jüngern Plinius:

Latifundia perdidere Italiam, jam vero et Provincias!

Schwerlich wäre es aber wohl sobald zu einer Ausführung der vonOeder empfohlenen Massregeln gekommen, wenn nicht ein äussererUmstand für sie eingetreten wäre.

Schon in den letzten Jahren der Regierung Friedrich V. befandsich der Staat in einer Finanzklemme, die theils durch die luxuriöseHofhaltung, die der König nach französischem Muster führte, und anderedamit in Zusammenhang stehende Unternehmungen veranlasst war, ganzbesonders aber durch die grossen Kriegsrüstungen, welche Dänemark zur Zeit des siebenjährigen Krieges unternehmen musste, um dem Ein-falle eines heranrückenden grossen russischen Heeres zu begegnen. Zuden Mitteln, welche der Finanzminister Graf Schimmel mann behufsAlistellung der Geldnoth ergreifen zu müssen glaubte, gehörte auch derVerkauf der königlichen Domänen. Im Königreiche machtendieselben etwa '/o des dortigen Grossgrundbesitzes überhaupt aus, lie-ferten aber auch dort einen verhältnissmässig nur geringen Ertrag.

Im Jahre 1763 erging an die Königliche Rentekammer der Befehl,alle königlichen Domänen in Dänemark , wie in den deutschen Pro-vinzen zu veräussern. Eine nähere königliche Resolution vom 1. Okt.1764 rief ein Plakat vom 18.. desselben Monats hervor, durch welchesdie Bedingungen des Verkaufs bekannt gegeben wurden

Im Königreiche schritt man alsbald zur Ausführung. Es wurdendaselbst vom Jahre 1765 bis 1775 alle Domänen verkauft. Sie brachteneinen Erlös von 4 Mill. Thlr Courant oder 14 400 000 unsers Geldes,welcher als ein dem damaligen Ertragswerthe etwa entsprechender an-gesehen werden konnte und den bedrängten Finanzen sehr zu Gute kam.

Auch im Herzogthum Schleswig wollte man zum Verkaufe derDomänen schreiten und machte mit 7 Gütern im Amte Hadersleben und einem Gute im Amte Apenrade den Anfang. Allein die hier er-lösten Kaufpreise waren so niedrig, dass sie kaum den Verkaufswerth desauf den verkauften Ländereien vorhandenen Holzbestandes erreichten.So sah man dann hier zunächst von weiterem Verkaufe ab.

Das Haupthinderniss für die Erzielung höherer Erträge von dengrossen Höfen war eben das, dass die Frohnarbeit gute Bestellung fastunmöglich machte. Ohne den Frohndienst aller hielt man damals nochim Allgemeinen den Betrieb einer Grosswirthschaft für unthunlich. InDänemark hatten die Verhältnisse insofern günstiger gelegen, als dort