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dem Hoflande der Domänen meist die 6 fache Fläche dienstbarenBauernlandes gegenüber stand, von welchem daher die Frohndiensteleichter und besser getragen werden konnten. Desshalb erfolgte dortder Verkauf der Domänen mit Leichtigkeit und zu angemessnerenPreisen.
Die Lösung der hier ohne Zweifel vorhandenen Schwierigkeitwar indessen längst von einem holsteinischen Gutsbesitzer gefunden undhatte bereits eine fast dreissigjährige Probezeit praktisch bestanden.
Es war dieses durch den Grafen Hans Rantzau auf Asche-berg geschehen.
In einer von ihm an den Baron von Güldeneron gerichtetenDenkschrift, die anfangs eine vertrauliche bleiben sollte, aber danndoch 1766 in den Druck gegeben wurde, legte Graf Rantzau seinVerfahren und seine Motive klar. Ueber den Inhalt giebt schon derTitel Auskunft, welcher lautet:
Antwort eines alten Patrioten auf die Anfrageeines jungen Patrioten, wie der Bauernstand unddie Wirthschaft der adligen Güter in Holstein zu verbessern sei.
Graf Rantzau führt zunächst aus: Die Gleichgültigkeit, Faulheitund schlechten Sitten der Gutsuntergebenen hätten ihre Ursache darin,dass sie nicht für sich, sondern für Andere arbeiten müssten. DasLand sei von Anfang an schlecht vertheilt gewesen, durch die Nieder-legung der zu den Hoffeldern geschlagenen Bauernhöfe sei für dieübriggebliebenen, die noch mehr Volk, mehr Pferde, mehr Wagenund Baugeräth halten, mehr Abgaben geben mussten, die Lage vonJahr zu Jahr verschlechtert. Dazu die schlechte Behandlung der Insten,deren Behausungen oft mehr Viehställen, als menschlichen Wohnungenglichen. Der Mangel an Schulen verschlimmere das Uebel. ImJahre 1739 habe er seinen Versuch begonnen, Ein Stück Feld, welchesam weitesten vom Hofe entfernt lag, von minderer Fruchtbarkeit war,an Ackerland 105 Scheffel (etwa 18 Hektar) und 10 Fuder Wieslandwurden mit einem einfachen Hause 2 Pferden, 10 Kühen und dennöthigen Gerätschaften versehen einem als tüchtig bekannten Bauern-sohne des Gutes zur eigenen Bewirthschaftung in Zeitpacht übergeben.
Nach Ablauf von 5 Jahren erwies sich diese erste Probe alsgelungen, die Felder waren bedeutend verbessert, sogar schon Kleebau(damals noch eine neue Erscheinung) eingeführt.