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Die innere Colonisation in Schleswig-Holstein vor hundert Jahren : Rede zum Antritt des Rektorates der Christian-Albrechts-Universität in Kiel am 5. März 1895 / von Wilhelm Seelig
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erheblichem Kostenaufwand ein Schloss für seinen Gebrauch, hatte abervon dem Gute selbst fast gar keine Einnahme, da die Frohndienst-wirthschaft allen Ertrag verschlang.

Auf den Rath seines Neffen Andreas Peter von Bernstorf,den er 1755 in den dänischen Staatsdienst gezogen hatte, liess Bernstorf1764 nach dem in Ascheberg gegebenen Vorbilde die Hofländereienseines Gutes zu spannfähigen Bauerstellen parzelliren und befreite dieuntergebenen Hufner unter Verleihung des Eigenthums von ihrerDienstpflicht. Auch hier brachte diese Veränderung eine Erhöhungder Gutseinnahmen um 17 000 Thlr. C., wie ja auch in Ascheberg dieGutseinnahmen gestiegen waren. Die von ihren Lasten befreitenGutsangehörigen und Colonisten gelangten sehr bald zu Wohlstand,sodass sie sich veranlasst sahen später ihrem Wohlthäter Bernstorf einDenkmal zu errichten.

Oeder's Denkschrift, welche er auf Veranlassung des Grafen Adamvon Moltke verfasst und dem Könige überreicht hatte, war ersichtlich unterdem Einflüsse der in Ascheberg gewonnenen Erfahrungen entstanden.

Der Verkauf der königlichen Domänen in Schleswig-Holstein wardoch im Jahre 1765 wieder aufgenommen worden, geschah aber nunin der Weise, dass die Güter nicht im Ganzen, sondern in Parzellengetheilt verkauft wurden. Und zwar wurde jetzt zunächst die Ver-äusserung in der Weise verfügt, dass nicht Kapitalzahlung stattfinden,vielmehr nur ein jährlicher Kanon für jede Parzelle entrichtet werdensolle, dessen Höhe für die einzelne der Gegenstand des Aufgebots wurde.Ein Kaufgeld wurde nur für etwa vorhandene Holzbestände und Ge-bäude angesetzt. Hierdurch mehrte sich natürlich die Zahl derBietenden; da es auch weniger Bemittelten möglich wurde bei demAufgebot sich zu betheiligen.

Bald wurden aber durch übermässige Concurrenz die Gebotefür die Parzellen so hoch, dass der so erzielte Canon in keinem Ver-hältnisse zu der Ertragsfähigkeit des Landes stand. Die Colonisten aufden zuletzt ausgebotenen Gütern, insbesondere die von Osterholm aufder Insel Alsen sahen sich völlig ausser Stande die von ihnen gebotenenSummen zu entrichten.

Und so kam man dann von 1768 an zu dem jedenfalls rationellerenVerfahren: dass zunächst, wie es auch in Ascheberg geschehn war, einegenaue Vermessung und Bonitirung der zum Verkauf zu stellenden Gütervorgenommen und dann nach dem Ergebniss der Abschätzung tonnen-weise auf die Parzellen ein fester Canon gelegt wurde, der als alleinige