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Die innere Colonisation in Schleswig-Holstein vor hundert Jahren : Rede zum Antritt des Rektorates der Christian-Albrechts-Universität in Kiel am 5. März 1895 / von Wilhelm Seelig
Entstehung
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Die Pächter, wird weiter berichtet, wollten gern Erbpächter wei denund hätten bereits ansehnliche Gebote für die Ertheilung von Erbpachts-briefen gethan. Auch wünschten sie mehr Land zu haben. Beweiseihrer guten Lage.

Graf Rantzau ging später zu der Verwandlung der Zeitpacht inErbpacht über, theilte auch schon in seiner Denkschrift das Schemafür einen Erbpachtskontrakt mit. Er starb zwar bereits im Jahre 1769.Doch wurde die von ihm eingeleitete Operation von seinem Sohne unddessen Nachfolgern, trotz des häufigen Besitzwechsels, dem Ascheberg in den nächsten Jahrzehnten unterlag, weiter geführt, bis im Jahre 1794der Abschluss der Parzellirung und die vollständige Einführung derErbpacht erfolgte. Es war übrigens nicht, wie Graf Hans Rantzauursprünglich beabsichtigte, das gesammte Hoffeld parzellirt, es bliebvielmehr der Haupthof mit einem Areal von 370 Hektar erhalten.

Das Vorgehen des Grafen Hans Rantzau erfolgte offenbar nacheinem mit ebenso viel Umsicht, als Wohlwollen entworfenen Plane.Sobald die Absicht der Ausführung bei ihm feststand, begann er damit,dass er sein ganzes Gut vermessen und bonitiren Hess. Für jene Zeitschon eine hervorragende Leistung. Und nun dieses langsame, wohlüberlegte schrittweise Weitergehn, bei dem er nur zu denjenigen Mittelngriff, die er selbst in der Hand hatte und genau übersehen konnte.Vor Allem aber ist hervorzuheben, welchen hohen Einfluss auf dasGelingen seines Unternehmens er von der Hebung des intellek-tuellen und sittlichen Zustandes, des Ehrgeizes undWohlbefindens seiner Colonisten erwartete. Begreiflicher Weiseerregte das mit Erfolg gekrönte Vorgehn eines so angesehenen Mannesnach und nach die Aufmerksamkeit weiterer Kreise, freilich ohne zu-nächst viel Nachahmung zu finden. Um so bedeutungsvoller war esdaher, als an sehr hervorragender Stelle dann solches geschah.

Die Königin Sophia Magdalene, Wittwe des Königs Christian VI. Mutter Friedrich V. gab auf den Rath und unter Mitwirkung ihres Ober-hofmeisters, des Grafen Christian Stolberg auf ihrem Gute Hirsch-holm allen Bauern ihre Höfe zu vollem Eigenthumsrecht. Doch wareine Parzellirung des Hoffeldes damit zunächst nicht verbunden.

Diesen letztern Schritt that dann aber der leitende StaatsministerGraf Hartwig Ernst von Bernstorf. Derselbe hatte von dem Königfrüher einige Dörfer in der Nähe von Kopenhagen zu Geschenk erhaltenunter der Bedingung, dass die königlichen Abgaben davon weiter ent-richtet würden. Bernstorf erbaute sich hier mit viel Geschmack und