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Die innere Colonisation in Schleswig-Holstein vor hundert Jahren : Rede zum Antritt des Rektorates der Christian-Albrechts-Universität in Kiel am 5. März 1895 / von Wilhelm Seelig
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aber brachten diese neuen Elemente in den durch den Druck der Leib-eigenschaft und die Besitzlosigkeit verkommenen Bauernstand der Guts-distrikte höhere Intelligenz, einen frischen Geist und Unter-neh mungsmuth, was auch auf die übrige Bevölkerung einwirkenmusste. In vielen Gegenden nahmen die Parzellisten bald eine hervor-ragende Stellung ein, welche sich theilweise noch jetzt bemerklich macht.

Dieser Domänen - Verkauf und das Ascheberger Beispiel hattendoch auch bei einer Reihe von andern Gutsbesitzern ernste Beachtungund theilweise Nachahmung gefunden. Graf Hans Rantzau warb ohneZweifel für sein Verfahren. Vor Allem war es aber Graf AndreasPeter Bernstorf, welcher während seines Aufenthalts in Holstein zurNachfolge des in Ascheberg gegebenen Beispiels aufmunterte. Er wares auch gewesen, der nach dem vorläufigen Abschlüsse der Domänen-Verkäufe zur Abfassung der Beschreibung derselben den Rentekammer-beamten Kamphövener veranlasste.

In der That wurde dann auch auf einer Anzahl schleswig-holstei-nischer Privat-Güter durch deren Besitzer die theilweise oder gänzlicheParzellirung der Hoffelder, die Aufhebung oder erhebliche Beschränkungder Hofdienste vorgenommen.

Voran ging Henning von Rumohr, der schon im Jahre 1765auf seinem Gute Ohrfeld in Angeln 17 Parzellenstellen von demStammhofe ablegte. Andere Güter in Angeln folgten.

Ein Schwager Oeder's, der Conferenzrath Ericius, hatte die Ab-sicht gehabt, sein Gut Düttebüll zu verkaufen und dafür 100 000gefordert, konnte aber keinen Käufer finden. Da entschloss er sich zurParzellirung, die in 2 Abschnitten 1783 und 1785 ausgeführt wurde.Diese Operation ergab einen Erlös, der einem Kapital von 186000 Thlr.gleichkam, also 68000 Thlr. mehr, als der geforderte, aber nicht zuerlangende Kaufpreis von 100000 Thlr. für den Verkauf im Ganzen.

Zu derselben Zeit wurde Nützschau in der Weise regulirt, dassvom Hoffelde l /s parzellirt, die Leibeigenschaft der Gutsuntergehörigenaber überhaupt aufgehoben wurde. Anstatt 27 leibeigener enthieltdanach das Gut 88 freie Familien.

Das Beispiel einer besonders sorgfältig und mit grösster Schonung derGutsuntergehörigen ausgeführten Regulirung bietet Maasleben, welches1792 Amtmann von A h 1 efe 1 d ankaufte und 1794 parzellirte. Das Guthatte neben 1178 Tonnen Bauernfeld 2202 Tonnen Hoffeld, also fast eindoppelt so grosses Areal, von welchem 1382 Tonnen Acker- und 456Tonnen Wiesland waren. Zuletzt war es zu 7000 Thlr. verpachtet