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Die innere Colonisation in Schleswig-Holstein vor hundert Jahren : Rede zum Antritt des Rektorates der Christian-Albrechts-Universität in Kiel am 5. März 1895 / von Wilhelm Seelig
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hörst, das damals noch mit Oldenburg zu Dänemark gehörte. Hiersollte er als Verwaltungsbeamter und Einzelrichter fungiren. Oederkonnte nicht anders, als das ihm wider seinen Willen aufgebürdete Amtannehmen. Besonders machte es ihm schwere Sorgen, dass er nunals Einzelrichter Recht sprechen sollte. Er fragte bei einem Freundean, ob es dazu wohl genüge, gesunden Menschenverstand und Erfahrungmitzubringen, was ihm allerdings verneint werden musste. Da fand erdenn eine juristisch gebildete Stütze in dem jungen Gerhard Anton vonHalem , der ihm alsbald als Assessor beigeordnet wurde.

In Dänemark war es übrigens selbst bis in die neue Zeit hineinnichts ganz Ungewöhnliches dass derartige Stellen an Nichtjuristen ver-geben wurden.

Aber auch in seinem neuen Wirkungskreise wusste Oeder alsbaldnicht nur seinen Platz auszufüllen, sondern auch sich im allgemeinenInteresse hervorzuthun. 1779 war er mit seinem Rathe hervorragendbehilflich bei der Errichtung der ersten Wittwen- und Waisenkasse.Ebenso betheiligte er sich bei der in den Jahren 1782 bis 1785 vor-genommenen trigonometrischen Landes-Verm essung. Ob-gleich er durch den bald nach seiner Anstellung in Oldenburg erfolgtenAustausch von Dänemark ganz losgelöst war, verfolgte er doch dieweitere Geschichte dieses Landes fortwährend noch mit lebhaftemInteresse. Als ihm indessen im Jahre 1788 das Anerbieten gemachtwurde in den dänischen Staatsdienst zurückzukehren, lehnte er diesenehrenvollen Ruf ab, indem er glaubte, in seinem Alter nicht noch eineneue verantwortungsvolle Stellung übernehmen zu können. Doch be-wies er sein Interesse für das Land noch durch mehrere Abhandlungenüber die dort beabsichtigten Münz- und Bankoperationen, deren Aus-führung in Holstein er nicht mehr erlebte. Er starb am 28. Januar 1791erst 62 Jahre alt.

Sein Grabstein erhielt die Inschrift:

Daniens Blumen und Kräuter sammelt und flocht er zum

dauernden Kranz.

Sichere Pflege danken die Wittwen ihm,Ihn segnet der dänische Landmann, welchem sein kühner

Ruf erster Bote der Freiheit ward.

Als Botaniker hat Oeder sich einen dauernden Ehrenplatz inseiner Wissenschaft erworben. Die von ihm begonnene, nach seinemPlan fortgesetzte und erst in der neueren Zeit vollendete Flora danica