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ist ein Prachtwerk, dem nur wenige andere gleichartige Unternehmungenan die Seite zu stellen sind.
Aber das, was er auf dem Gebiete der Wirthschaftspolitik,insbesondere, der Agrarpolitik angeregt hat, ist nicht minder vonweittragender Bedeutung geworden. Er verstand es, die massgebendenMänner jener Zeit, die beiden Bernstorf's, Moltke u. s. w. für seineIdeen zu gewinnen, sodass er gewissermassen als der geistige Urheberdes grossen Reformwerks anzusehen ist.
Auffallender Weise haben die nationalökonomischen Schriftstellerbislang Oeder wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Roscher in seiner„Geschichte der National-Oekonomik in Deutschland" erwähnt allerdingsin einer Note (p. 469) Oeder kurz und nennt sein „Bedenken etc."eine geistvolle Schrift, stellt aber sein gelegentliches Vorgehen gegendie damals noch herrschende populationistische Politik in den Vorder-grund. Auch wurde Oeder nicht, wie Roscher meint, wegen seinesWiderspruchs gegen die Populationsschwärmer „vom Adel sehr an-gefeindet." Der Grund, weshalb die nach Struensee's Sturz zur Herr-schaft gelangte dänische Adelspartei Oeder gleichsam in die Verbannungschickte, war seine unablässige Bemühung die Emanzipation des Bauern-standes herbeizuführen, was ihm ja der Minister Schack-Rathlau offenaussprach.
Oeder bekämpfte den auch in Dänemark herrschenden Merkantilismusin gleicher Weise, wie es die Physiokraten thaten, mit denen er auch dieAusgangspunkte, die Lehren von Montesquieu und David Hume gemeinsamhatte. Allein er hielt sich unabhängig von den speziellen Lehren derPhysiokratie, die er sogar in einzelnen Punkten bekämpfte, so z. B. hin-sichtlich ihrer übertriebenen Werthschätzung des Ackerbaues. In seinen„Zusätzen" zu dem „Bedenken" welche 2 Jahre später als jeneserschienen, sucht er den Satz: „Die Landwirthschaft und dasbürgerliche Gewerbe sind in ihrem Betriebe unzertrennlich"näher zu beweisen und bemerkt bei dieser Gelegenheit: ,,In den neuenökonomischen Schriften besonders der Franzosen verfallen viele Lob-redner der Landwirthschaft in den deklamatorischen Ton und meinensie nicht nach Würde gelobt zu haben, wenn es nicht auf Kosten desstädtischen Gewerbes geschähe".
Oeder's nationalökonomischer Gedankengang ist etwa folgender:
Als besten Zustand sieht er es an, wenn der Grundbesitz in solche
Portionen getheilt ist, dass jeder Bebauer seinen Antheil ohne fremde
Hülfe bebauen kann. Der Besitzer muss persönlich frei sein und die
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