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Begriffsverhältnis ersetzt wird. Wenn der Kapitalismus seine „Negation 1 “das Proletariat, erzeugt, um sodann in den Sozialismus als die „Negationder Negation“ „umzuschlagen“, so geht augenscheinlich das Denken demSein voran, statt das Sein dem Denken: „Begriffsemanatismus“
Demgegenüber gilt es zu „scheiden“. Man scheide zwischen Wertund Sein, zwischen der Logik, welche die apriorischen Normen des Denkensfeststellt, und dem empirischen Realismus der Natur- und Geschichts-wissenschaft. Man scheide zwischen Naturwissenschaft und Geschichte,zwischen Kausalität als allgemeingültiger Kategorie, dem naturwissenschaft-lichen Kausalitätsgesetz und dem konkreten Kausalzusammenhang derGeschichte! Mit einem Wort: mehr „kritische“ Philosophie, mehr Kant!
III. Kein unentbehrlicher Bestandteil des Lehrgebäudes ist die berühmteMehrwertlehre, die man vom historischen Materialismus wie dersozialistischen Politik loslösen, für sich annehmen oder bekämpfen kann,ohne den Kern des Marxismus zu berühren. Zudem ist diese Mehrwert-lehre in sich widerspruchsvoll, indem bekanntlich die geschlossene Auf-fassung des I. Bandes im III. Bande des „Kapital“ durchbrochen worden ist.
Die berühmte Mehrwertlehre des ersten Bandes ist eine Fortbildungder objektiven Wertlehre des Bourgeois Ricardo, dessen Theorie fürMarx „die wissenschaftliche Darlegung des gegenwärtigen ökonomischenLebens“ bedeutet 82 . Diese Wertlehre wurzelt bekanntlich in grauer Vor-zeit, in den Schriften der Kirchenväter und Scholastiker und ist, wieBrentano ausführt, entstanden „nicht als Lehre vom Seienden, sondernSeinsollenden, als Protest gegen die Welt“. Bei Marx wirkt das justumpretium fort, der Wert, wie er sein sollte. Vermittelt wird diese Auf-fassung durch die Lehre vom „natürlichen Wert“ in der „naturgemässenVolkswirtschaft“, welche den Nationalökonomen des 17. und 18. Jahr-hunderts als die „normale“ im Sinne des Wertvollen vorschwebte. Schon